The Restitution Files (6/6): Was bleibt
Shownotes
Im Herbst 2025 reisen Nachfahrinnen jüdischer Familien aus aller Welt nach München. Anlass ist die Veranstaltung "Munich Roots" des Münchner Stadtmuseums. Alle Teilnehmenden sind verbunden durch die Menschen, die 1939 ihre Silberobjekte zwangsweise abgeben mussten. Ihre Restitutionen bedeuten jedoch weit mehr als die Rückkehr einzelner Gegenstände: Sie stoßen Erinnerungen und Begegnungen an und eröffnen neue Zugänge zur Vergangenheit. Für Noa und Robert werden ihre Erbstücke und "Munich Roots" zum Beginn einer tieferen Suche nach ihren eigenen Wurzeln. Und plötzlich stellt sich eine neue Frage: Kann ein Ort, aus dem ihre Vorfahrinnen einst fliehen mussten, für sie heute wieder zu einer Art Heimat werden?
In der sechsten Folge von "Zeitschleifen. The Restitution Files" geht es um die Bedeutung von Provenienzforschung heute: Wie können selbst unscheinbare Objekte Familiengeschichten wieder sichtbar machen? Und welchen Wert hat die Provenienzforschung für uns als Gesellschaft – insbesondere in einer Zeit, in der Erinnerungskultur zunehmend unter Druck gerät?
Inhalt:
[00:00:00] Einleitung
[00:03:50] Teil 1: Die Familien
[00:10:46] Teil 2: Bedeutung fürs Museum
[00:16:02] Teil 3: Politischer & Persönlicher Impact
[00:21:48] Abspann
Abbildungen/Verweise:
Album „Silber aus ehemals jüdischem Besitz" in der Sammlung Online des Münchner Stadtmuseums
Joseph Strasser, Schlüsselhaken, 1842, Silber, 13 cm, Münchner Stadtmuseum, K-39/1215
Weiterführende Ressourcen:
Mehr Informationen zum internationalen Begegnungs- und Erinnerungsformat "Munich Roots" findet ihr auf der Website des Münchner Stadtmuseums unter: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/munich-roots
Weitere spannende Einblicke in das Thema Provenienzforschung am Münchner Stadtmuseum bekommt ihr auf der Website des Münchner Stadtmuseums unter:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz
Kontaktinformationen:
Die Redaktion ist zu erreichen unter presse.stadtmuseum@muenchen.de.
Credits:
Recherche und Skript: Anna Scholz
Redaktion: Carolina Torres, Carol Pfeufer, Maria Tischner, Ulla Hoering, Lena Hensel
Produktion: Anna Scholz, Carolina Torres, Sarah-Laurien Weiher, Johannes Weber
Host: Anna Scholz
Audio-Produktion: mucks audio (Sarah-Laurien Weiher, Johannes Weber)
Musik: mucks audio (Johannes Weber)
Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:08: Es ist eine Rückgabe der anderen Art.
00:00:10: Es geht um die Rückgaben von Gegenständen, deren Bedeutung eher im sentimentalen Wert liegt.
00:00:16: Es ist nicht der Hope-Diamant – es ist nichts, von dem man sich eine Villa bauen
00:00:21: könnte.".
00:00:22: Zwölf's Silberlöffel hat Robert Meyer im Jahr.
00:00:29: Zwölf Silberlöffel, die seine Eltern im Jahr neununddreißig während der NS-Diktatur in München zwangsweise abgeben mussten und die das Museum unrechtmäßig angekauft hatte.
00:00:41: Und nein!
00:00:42: Eine Villa kann er sich vom Wert der Silberlüffel sicher nicht kaufen.
00:00:51: Aber sie sind ein Zeichen dafür dass es jemandem wichtig war.
00:00:55: Dass jemand den Wunsch hatte den Kontakt wiederherzustellen.
00:00:59: Vor mehr als achtzig Jahren wurden Jüdinnen und Juden in Deutschland verfolgt, vertrieben, ermordet.
00:01:06: Davor wurde ihnen alles genommen – ihre Rechte, ihr Eigentum und ihre Würde.
00:01:13: Heute streckt wieder jemand eine Hand nach den Familien also den Nachfahrtinnen dieser Menschen
00:01:18: aus.".
00:01:19: Ja aber das ist wirklich das Wichtige und Entscheidende für die Nachfahren dieses Verständigen über meistens ja Landesgrenzen hinweg.
00:01:29: Wir wollen dort neue Bände mit euch
00:01:31: schließen.".
00:01:33: Das sagt Dr.
00:01:33: Markus Speidel, der Direktor des Münchner Stadtmuseums.
00:01:38: Das Museum hatte sich zur Aufgabe gemacht, transparent mit allen Sammlungsstücken umzugehen die unrechtmäßig an seinen Wänden hängen und in seinen Vitrinen und Depots liegen – und sie wenn möglich zurückzugeben!
00:01:51: Aber wozu das eigentlich?
00:01:53: Was macht es überhaupt für einen Unterschied, ob diese zwölf Silberlöffel zum Beispiel jetzt im Museum liegen oder bei Robert in Boston?
00:02:02: Es ist unsere gesellschaftliche Pflicht hierfür Aufklärung zu sorgen.
00:02:06: Hierzu zeigen wie Faschismus funktioniert, wie Totalaritismus funktioniert und daher ist diese Arbeit gerade... Also sie war eigentlich immer wichtig aber sie wird einfach... Sie verliert keinerlei Bedeutung, sie wird noch wichtiger.
00:02:23: Und es gibt noch einen Grund.
00:02:38: Dieser Podcast ist Teil einer Aufarbeitung, das Münchner Stadtmuseum stellt sich seiner Vergangenheit und seiner Schuld.
00:02:46: Daran arbeitet die Provenienzforscherin Dr.
00:02:48: Regina Prinz.
00:02:50: Sie hat in den letzten Jahren fast einhundertvierzig Silbergegenstände restituiert, also ihren rechtmäßigen Eigentümerinnen zurückgegeben.
00:02:59: In dieser Folge sprechen wir darüber was die Restitution für die Familien bedeuten welche Fragen sie anstoßen und vor allem auch darüber warum die Arbeit von Regina Prinz nicht nur für die Erbinnen sondern für uns alle wichtig ist.
00:03:15: Ich bin Anna Scholz, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin.
00:03:18: Und das ist Zeitschleifen.
00:03:20: The Restitution Files – ein Podcast des Münchner Stadtmuseums.
00:03:24: Hier nehmen wir euch mit auf eine Reise von den neunzehntreißiger Jahren bis ins Heute!
00:03:29: Von München über die USA und Brasilien bis nach Israel.
00:03:33: Auf der Suche nach den Erbinnen des Silbers und nach später Gerechtigkeit.
00:03:45: Ein Podcast
00:03:46: des Münchner Stadtmuseums.
00:03:59: Fangen wir einmal im Kleinen an bei den Familien?
00:04:03: Ich hatte auch das Gefühl, dass die Restitution fast noch mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet weil es eher ein Startpunkt ist nochmal was rauszufinden als eine Ende.
00:04:14: Total!
00:04:14: Das ist unser Eindruck auch gewesen.
00:04:17: man spricht ja nicht über große Werte.
00:04:20: Es ist einfach ne Anregung und einen Aufhänger sich mit der eigenen Familiengeschichte zu befassen Und für viele Familien war das sehr beeindruckend und auch das erste Mal da so einzusteigen.
00:04:33: Und plötzlich haben sie Dinge erfahren, von denen Sie gar nichts wussten.
00:04:38: Regina kommt durch die Restitutionen – also die Rückgaben in Kontakt mit über vierzig Familien, die verstreut auf der ganzen Welt leben.
00:04:47: Und viele von diesen Familien wussten gar nichts von ihren Angehörigen in Deutschland, von deren Geschichten und dem Silber!
00:04:55: All das ist in Vergessenheit geraten.
00:04:58: Es wurde, wie es die Nationalsozialisten vermutlich auch beabsichtigt hatten einfach ausgelöscht.
00:05:05: Es kam immer mehr Fragen und Fragen und irgendwann habe ich mir gedacht, eigentlich wäre das doch toll wenn wir diese Fragen vor Ort mit den Leuten persönlich beantworten könnten und es würde sich so anbieten sie hier zu haben und ihnen all das zu zeigen wo sie gelebt haben und was das Umfeld ihrer Vorfahren war.
00:05:26: Und deswegen laden Regina und ihre KollegInnen die Familien nach München ein zu einem Projekt namens Munich Roots, hier können sie ihre Wurzeln erforschen.
00:05:37: auch Noah nimmt an diesem Projekteil.
00:05:39: Sie ist die junge Frau aus Israel, die wir in den letzten Folgen schon kennengelernt haben.
00:05:44: Sie ist Nachfahrerin von Hugo Brandt als dem jüdischen Kaufmann, der München mit seiner Frau Clara in Richtung New York verlassen musste.
00:05:53: Im November und einer Tasche voller Dokumente nach München.
00:06:03: Als wir damals in München waren, war es mit meinem Vater total witzig.
00:06:08: Er hat sofort diese ganzen Dokumente aus seiner Tasche gezogen und gesagt Kommt her!
00:06:14: Schaut euch das an.
00:06:15: Und dann haben sich alle um ihn herum versammelt und angefangen zu lesen.
00:06:20: Viele der Teilnehmenden hatten ihre eigenen Dokumete dabei.
00:06:24: Sie hatten dann Tagebücher noch von den Großeltern auf Deutsch, die sie nicht lesen konnten oder sie haben irgendwelche Briefe noch gefunden und wir haben geholfen das zu übersetzen.
00:06:36: Das Team übersetzt – auf Englisch, auf Hebräisch!
00:06:42: Es ist wirklich sehr bewegend.
00:06:45: es ist.
00:06:46: ich weiß nicht wie ich's beschreiben soll.
00:06:48: Es ist wunderschön einfach wunderschön.
00:06:52: Regina Prinz und ihr Team wollen den Familien mehr zurückgeben als zwölf Silberlöffel oder ein Schlüsselhaken.
00:06:59: Sie wollen ihnen ein Stück Familiengeschichte zurück geben,
00:07:03: also die Familien wirklich vor ihre Akten zu setzen im Stadtarchiv, Staatsarchiv Hauptstadtarchiv und ihnen aber auch zu erklären was steht da drin?
00:07:13: ihn beim Übersetzen zu helfen und den Kontext herzustellen.
00:07:16: Es sind ja sehr komplexe Materialien, wo wir uns schon schwer tun, Wiedergutmachungsakte zu
00:07:22: verstehen.".
00:07:24: Jede Familie bekommt eine personalisierte Mappe mit Informationen zu den Wohn- und Arbeitsorten ihrer Vorfahren und einem Stadtplan – und sie alle werden in München mehr oder weniger zu Ahnenforscherinnen.
00:07:38: Hugo hatte sieben Geschwister.
00:07:40: Eine von ihnen war die Großmutter?
00:07:43: Nein, nicht die Großmütter.
00:07:45: Die Mutter der Mutter meiner Großmuter.
00:07:52: Das ist wieder Noah – die junge Israelin und ure ure Großnichte von Hugo Brandeis.
00:07:58: Noah hat sich schon immer sehr für ihre Familiengeschichte interessiert und in München kann sie endlich alles sortieren was sie bisher weiß.
00:08:07: Als wir beim Munich Roots-Projekt waren, habe ich gesagt.
00:08:11: Okay, wartet mal kurz!
00:08:13: Ich muss einen Stammbaum
00:08:14: zeichnen.".
00:08:15: Noah und ihr Vater besuchen damals auch das Grab von Noahs Ururopa – er war mit der Schwester von Hugo Brandeis verheiratet.
00:08:27: Es ist natürlich traurig... Aber es ist auch beeindruckend, weil man irgendwie spürt das dort früher Leben war bevor diese ganze dunkle und traurige Zeit der Geschichte begann.
00:08:38: Das waren schon auch sehr bewegende Momente und sehr besondere Situationen mit den Familien.
00:08:47: Regina und ihrem Team war von Anfang an klar dass das Munich Routes Projekt in einem kleinen Rahmen stattfinden soll.
00:08:53: damit sie jeder Familie genügend Aufmerksamkeit und Zeit widmen können
00:08:58: Stößt ja auch Dinge an, die sehr emotional sind für die Menschen.
00:09:03: Man muss sie da begleiten und man muss dabei
00:09:06: sein.".
00:09:07: Auch dabei war Rebecca Freedman, die Juristin vom Holocaust Claims Processing Office in New York City – Die Frau, die so viele der Erbinnen aufgespürt hat!
00:09:17: Und auch für Sie war das Munich Roots-Projekt etwas ganz Besonderes... Es
00:09:25: war eine wirklich aufregende und wundervolle Erfahrung, denn wir haben nicht oft die Gelegenheit unsere Klientinnen persönlich zu treffen.
00:09:33: Diese Menschen kennen zu lernen nachdem wir so viel über ihre Familien gehört hatten sie persönlich kennenzulernen und dann hautnah mitzuerleben wie sie reagierten als ihnen diese Gegenstände und Unterlagen aus dem Archiv über ihre familien überreicht wurden.
00:09:48: das war wirklich besonders uns sehr bewegend.
00:09:51: Für Noa und ihren Vater war es ebenfalls eine sehr bereichernde Erfahrung, erzählt sie.
00:09:57: Aber ihr Wissensdurs konnte noch nicht komplett gestillt werden!
00:10:03: Sie haben noch mehr Fragen aufgeworfen – ich möchte nicht, dass das negativ klingt, denn sie haben wirklich ein großartiges Projekt auf die Beine gestellt, ein sehr emotionales, und wir wollten, dass es weitergeht.
00:10:19: Noor hat zwar noch Fragen, aber endlich wird gesprochen über das was ihrer Familie passiert ist.
00:10:26: Die Geschichte wird nicht begraben verdrängt oder ignoriert sondern am Leben gehalten!
00:10:32: Die Silberobjekte geben Anstoß dazu Erinnerung Menschen und ihre Geschichten wieder sichtunfühlbar zu machen.
00:10:40: Auch Markus Speidel der Direktor des Münchner Stadtmuseums findet dass Museen dabei helfen müssen Erinnerungen am Leben zu halten
00:10:48: muss je neigende zu extrem geschichtsvergessen sein, was man gar nicht erwarten würde.
00:10:54: Nach dem Zweiten Weltkrieg vergehen über fünfzig Jahre bis zu den Washington Principles.
00:10:59: Wir erinnern uns das sind internationale Nicht-rechtlich bindende Richtlinien die Museen dazu anhalten NS Raubkunst in ihren Sammlungen zu identifizieren und zurückzugeben.
00:11:10: aber bis dass in den Museum wirklich auch ankommt Vergehen weitere zehn bis zwanzig Jahre.
00:11:16: Das ist halt sechzig bis siebzig Jahre nach Kriegsende.
00:11:20: Das sind zwei Generationen bald, die da irgendwie drüber gehen, bis wir so weit sind zu sagen Wir Museen haben Schuld auf uns geladen.
00:11:30: Die können wir nicht wieder gut machen aber wir können zumindest versuchen wieder recht herzustellen.
00:11:37: Für Markus Speidel ist heute schwer nachzuvollziehen wie bis zu diesem Punkt so viel Zeit vergehen konnte.
00:11:44: Deswegen räumt er auch der Provenienzforschung am Münchner Stadtmuseum einen großen Stellenwert ein, genauso wie schon seine beiden Vorgängerinnen.
00:11:52: Bei uns hat die Proveniensforschungen eine ganz wichtige Position.
00:11:56: also ich denke was wichtig ist was ich meinte dass wir ne feste Stelle dafür verankert haben.
00:12:02: Zunächst lief die Provinienz Forschung wie in vielen anderen Museen nur auf Projektbasis Aber mit der unbefristeten Stelle von Regina wurde die Aufgabe in den Festa-Bestandteil der Arbeit am Münchner Stadtmuseum.
00:12:16: Die auch eine Kontinuität herstellt und dadurch systematisch durch die Bestände durchgehen kann, und sich nicht immer jemand neu einarbeiten muss.
00:12:27: Provenienzforschung ist in Deutschland nicht zentral gesteuert – darüber haben wir schon in Folge zwei ausführlich gesprochen.
00:12:34: Anders ist das zum Beispiel in Österreich.
00:12:37: Dort gibt es eine unabhängige Stelle, die dieser Arbeit koordiniert.
00:12:41: Hierzulande dagegen ist es jedem Museum selbst überlassen wie es mit dem Raubgut in seinen Depots umgeht.
00:12:47: Das ist etwas was häufig kritisiert wird denn die Museen sind ja in diesen Fällen keine neutralen Stellen.
00:12:54: Also dass im Endeffekt die die Tat begangen haben sozusagen sich selber beforschen und recherchieren.
00:13:01: also man kann nur da sagen das ist dann gut dass es inzwischen natürlich personell entflechtet ist dass wir nicht mehr diejenigen sind, die tatsächlich damals die Tat begangen haben.
00:13:10: Sondern Nachfolgende im Amt, die es
00:13:13: tun.".
00:13:14: Markus Speidel ist auch klar, dass sich Museen in dieser Hinsicht erst mal wieder Vertrauen erarbeiten müssen?
00:13:20: Wir können nicht verlangen, dass man uns vertraut.
00:13:22: Wir hoffen nur, dass wir uns dann vertrauten.
00:13:25: Das Vertrauen müssen wir uns ja erarbeiten und gewinnen.
00:13:27: Und das Einzige was uns dabei hilft, ist tatsächlich, dass we nachweisen, arbeiten und handeln.
00:13:37: James Bindenagel, der US-Diplomat, der auch die Washington Principles mit ausgehandelt hat, schätzt diese Arbeit der Museen sehr.
00:13:46: Diese kleine
00:13:46: Eröffnung in eigener Geschichte ist sehr wichtig!
00:13:52: Es geht nicht um Geld,
00:13:53: es geht nicht darum wie viel
00:13:55: es kostet
00:13:56: usw.,
00:13:58: es geht
00:13:58: um
00:13:59: wie man auch die Geschichte
00:14:01: versteht
00:14:02: von wie man ihn auch erkennt.
00:14:05: Markus Speidel und Regina Prinz wissen auch, Provenienzforschung hört nie auf.
00:14:10: Wir stellen auch fest, dass wir das ganze Haus dafür sensibilisieren müssen.
00:14:15: Wenn wir heutzutage ein Objekt angeboten bekommen, des Jahr zehnzehnten entstanden ist oder gekauft wurde aus der Zeit stammt dann sofort trotzdem die Sensibilität zu haben.
00:14:29: aber wie hat es die Familie oder die Person bekommen, die sie uns jetzt schenkt?
00:14:35: ist da wirklich das Sauber in der Zeit.
00:14:51: Wir bewahren es Erbe für die nächsten Generationen und wenn wir das in einem Unrechtskontext erworben haben oder durch einen Unrechtskontext zu uns gekommen sein, kann eben in S-Verfolgungsbedingte sein Kolonialer Raub sein.
00:15:07: In solchen Kontexten können wir nicht über dieses Unrecht
00:15:10: hinweggehen.".
00:15:15: Und diese Anerkennung von Unrecht ist etwas, das heutzutage nicht selbstverständlich ist.
00:15:21: Der AfD-Politiker Björn Höcke zum Beispiel forderte im Jahr einen Erinnerungspolitischen Wende um hundred und achtzig Grad.
00:15:30: Sein Parteikollege Alexander Gauland nannte Hitler & die Nazis ein Jahr später einen Vogelschiss unserer Geschichte.
00:15:39: Und auch in anderen Ländern gerät die Aufarbeitung der schwierigen Vergangenheit in Kritik oder wird sogar als überflüssig gesehen.
00:15:47: US-Präsident Donald Trump hat unter anderem Informationen übers Klaverei in einem Nationalpark und den George Washington's Presidents' House entfernen lassen, und genau darum hat die Provenienzforschung weit über Museumstüren hinaus eine immer größer werdende Bedeutung.
00:16:04: Tatsächlich ist die ProvinienzForschung schwer unter Beschuss von rechts.
00:16:08: In ganz Europa und in den USA sowieso rücken Regierungen immer weiter nach rechts.
00:16:13: Und wie wir gerade schon gehört haben, die sogenannte Erinnerungskultur – also das Erinnern etwa an Verbrechen im Zweiten Weltkrieg ist etwas gegen das vor allem deutsche Rechtspopulistinnen immer stärker ankämpfen.
00:16:28: Das könnten eben auch die Museen merken.
00:16:31: Dass Mittel gekürzt werden sollen, dass Stellen wegfallen sollen, sieht man, wie politisch wichtig es ist.
00:16:41: Gerade diese Arbeit zu machen, weil es eben wichtig ist genau diese Erinnerung hochzuhalten und genau das Unrecht geschehen ist und wo weit sie hineingewirkt
00:16:50: hat.".
00:16:51: Gleichzeitig sterben gerade auch die letzten Zeitzeug-Innen, die aus erster Hand davon berichten können, wie sich angefühlt hat unter nationalsozialistischem Terror zu leben – wie z.B.
00:17:02: Margot Friedländer, die in den Jahren von Jahrzehnten mit drei Jahren gestorben ist.
00:17:08: Museen haben in diesen Zeiten einen zentralen Auftrag, sagt Markus Beidel.
00:17:12: Und diese Pflicht ist es eben uns an die Geschichte zu erinnern.
00:17:17: Um dieser Verantwortung nachzukommen will das Museum genau das Gegenteil davon machen was Rechtspopulistinnen einfordern.
00:17:25: Nämlich die verdrängten Verbrechen wieder sichtbar zu machen.
00:17:28: Ich glaube wirklich wichtig dabei ist dass wir diesen Menschen beraubt, bestohlen und dann oftmals ermordet wurden.
00:17:38: Dass wir denen wieder einen Namen geben oder eine Geschichte geben und sie widersichtbar machen.
00:17:44: Was wir vorher sozusagen ausgelöscht haben was wir auch durch unsere Inventarbücher unsichtbar gemacht haben wem dieses Objekt gehört
00:17:52: hat.".
00:17:53: Kein Museum das NS Raubgut im Deport hat kann wieder gutmachen was während des Zweiten Weltkriegs passiert ist aber Sie können den Beraupten wieder ein Platz in der Geschichte geben
00:18:04: Und das ist, glaube ich, für viele Nachfahren dann auch das wirklich Entscheidende dabei.
00:18:10: Dass ihre Familie gesehen wird, dass das unrecht wahrgenommen wird, der versucht ein Museum damit umzugehen und sich zu
00:18:19: öffnen.".
00:18:21: Für Robert Meier bedeutet die Restitution aber noch mehr.
00:18:29: Also für mich steht es für einen Vermechnis für eine Verbindung zur Familie meines Vaters.
00:18:38: Und bei Noah hat die Restitution für eine ganz neue Beziehung zu ihren deutschen Wurzeln gesorgt
00:18:45: und diese Geschichte hat auch meine eigene Identität geschärft, jetzt sehe ich mich selbst als... also in erster Linie bin ich Israeli, jüdische Israeli aber ich bin auch Deutsche- und Südamerikanerin.
00:19:02: Obwohl sie bisher ihr ganzes Leben in Israel verbracht hat, hat München ihr Herz erobert.
00:19:10: Ich kann es mir als Zuhause vorstellen.
00:19:13: Ich sehe meine Freundinnen und Kollegen, die ich beim Munich Roots Projekt kennengelernt habe.
00:19:19: Ich seh sie vor mir und denke mir ja das ist ein Zuhauses.
00:19:23: Junge Erbinnen wie Noa verbinden sich so wieder mehr mit ihrer deutschen Identität und das mehr als achtzig Jahre nachdem ihren Vorfahren ihre Heimat genommen wurde.
00:19:36: Dieser Prozess, diese neue alte Verbindung der ist wie eine Brücke zurück zu dem Ort wo sie herkommen wenn Sie denn möchten Und wer weiß vielleicht wird München für Noah in Zukunft ja mal ein Zuhause auf Zeit Wünschen tut sich dass und ihre Eltern haben auch vor knapp zwanzig Jahren die Voraussetzung dafür geschaffen Als sie ihr einen deutschen Pass ausstellen ließen.
00:20:01: Das hat auch Robert vor wenigen Jahren gemacht.
00:20:07: Und als dann die politische Lage in diesem Land schwierig wurde,
00:20:11: die
00:20:12: Aussicht auf Sicherheit und die Möglichkeit wieder eine doppelte Staatsbürgerschaft mit Deutschland zu bekommen war es eine sehr gute Gelegenheit, die wir natürlich genutzt haben.
00:20:25: Im Herbst von Jahrzehnten bekam er seine Töchter- und Enkelkinder ihre deutschen Pässe Zur Sicherheit, falls die politische Lage in den USA noch weiter eskaliert und sie vielleicht ein neues Zuhause brauchen.
00:20:40: Und Robert denkt dabei oft an seine Eltern.
00:20:45: Ich frage mich was Sie und mein Vater wohl denken würden wenn Sie wüssten wie oft ich schon in Deutschland war dass ich jetzt die doppelte Staatsbürgerschaft habe.
00:20:57: Wie
00:21:00: haben wir es in der ersten Staffel dieses Podcasts gelernt?
00:21:04: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
00:21:08: Und für Provenienzforscherin Regina Prinz ist ihre Arbeit nicht nur ein Aufräum der Geschichte, einen Abarbeiten von Listen sondern auch an der Start von wertvollen Beziehungen und Dialogen die unsere Zukunft im besten Fall positiv beeinflussen können.
00:21:24: Und zwar indem wir die Vergangenheit als das beschreiben was sie war und sie nicht in Vergessenheit geraten lassen.
00:21:32: Wir haben ja keine wertigen, teuren Objekte über die wir da sprechen, sondern man beginnt ein Austausch und man beginn eigentlich was Neues damit.
00:21:40: Und das ist eigentlich das Schöne ... Ich glaube, dass es auch das, was so bisschen in die Zukunft reinreicht.
00:21:46: Dafür, glaub ich, lohnt sich's!
00:21:50: Die letzten Worte dieser Staffel überlassen wir nun weiteren Teilnehmenden des Munich Routes Projekts David Barg Mark Hamill und Robin Beckhardt.
00:22:03: Ein scheinbar einfacher Tortenheber eröffnete mir eine ganz neue Welt.
00:22:08: In einer Zeit, in der der Faschismus wieder sein hässliches Gesicht zeigt hat das Münchner Stadtmuseum Stellung bezogen dank des Einsatzes der Empathie und des Engagements des gesamten Teams des Silberprojekts und Munich Roots mitgearbeitet hat.
00:22:23: Das Stadtmuseum hat ein begangenes Unrecht anerkannt und durch Aufklärung und Solidarität die Würde von meinem Familienmitglied wiederhergestellt und geehrt.
00:22:31: Ich bin sehr dankbar!
00:22:42: Ich bin jetzt wieder zu Hause, aber ein Teil meines Herzens ist in München geblieben.
00:22:46: Ich habe dort fünf Tage verbracht die mich tief geprägt haben als Gast des Münchner Stadtmuseums und Teilnehmer des Munich Roots Projektes im Oktober.
00:22:54: zwei
00:22:56: tausendfünfundzwanzig.
00:23:00: Dank das Programms Munich Root wissen wir nun mehr über unsere eigene Familie.
00:23:04: Wir haben uns sehr gefreut den silbernen Tortenheber der Willi gehörte zu sehen und in den Händen zu halten.
00:23:10: Und ebenso darüber, dass er in Deutschland bleibt als Teil einer Dauerausstellung – die künftige Generationen sowohl über die Schrecken des Krieges als auch über die mühevolle Arbeit aufklären wird, die unternommen wurde um den Opfern wieder Gutmachung zu leisten.
00:23:25: Meine Familie und ich sind wirklich zutiefst dankbar für diese Erfahrung und für all die Arbeit, die Dr.
00:23:30: Prinz und ihre Kolleginnen investiert
00:23:32: haben.".
00:23:35: Zeitschleifen The Restitution Files ist ein Podcast der Münchner Stadtmuseums.
00:23:50: Wenn euch dieser Podcast gefällt, freuen wir uns wenn ihr ihn weiter empfehlt und uns eine positive Bewertung hinterlasst.
00:23:56: Das hilft uns von weiteren HörerInnen gefunden zu werden!
00:24:00: Und abonniert den Podcast gerne um die nächste Staffel nicht zu verpassen.
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