The Restitution Files (5/6): Die Reise des Silbers
Shownotes
Im November 2025 befindet sich an einer Ausstellungswand im Jüdischen Museum München ein kleiner, unscheinbarer Silbergegenstand. Er kann stellvertretend für viele ähnliche Objekte eine Geschichte von Verfolgung, Enteignung, Verlust – und nun auch Hoffnung – erzählen: Es ist der Schlüsselhaken von Hugo Brandeis, den dessen Nachfahrinnen, zu denen auch Noa gehört, dem Museum geschenkt haben. Während einige Familien ihre Objekte stiften, entscheiden sich andere, wie Robert, sie zunächst zu behalten. Die Restitution stellt die Erbinnen vor die Frage, welche Bedeutung ihre Erbstücke heute haben – zwischen persönlicher Erinnerung, symbolischem Wert und historischer Relevanz.
In der fünften Folge von "Zeitschleifen. The Restitution Files" geht es um die Wege der Silberobjekte nach ihrer Rückgabe: Wohin gehören diese Objekte, nachdem sie über 80 Jahre lang unrechtmäßig im Besitz des Münchner Stadtmuseums waren? Und wie wird das Silber für die oftmals weiten Reisen vorbereitet, damit es unversehrt an seinem Ziel ankommt?
Inhalt:
[00:00:00] Einleitung: Im Jüdischen Museum
[00:04:25] Noas Entscheidung
[00:10:17] Robert bekommt Besuch
[00:14:25] Das Silber geht auf Reisen
[00:21:38] Abspann und Ausblick
Abbildungen/Verweise:
Album „Silber aus ehemals jüdischem Besitz" in der Sammlung Online des Münchner Stadtmuseums
Joseph Strasser, Schlüsselhaken, 1842, Silber, 13 cm, Münchner Stadtmuseum, K-39/1215
Weiterführende Ressourcen:
Weitere spannende Einblicke in das Thema Provenienzforschung am Münchner Stadtmuseum bekommt ihr auf der Website des Münchner Stadtmuseums unter:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz
Kontaktinformationen:
Die Redaktion ist zu erreichen unter presse.stadtmuseum@muenchen.de.
Credits:
Recherche und Skript: Anna Scholz
Redaktion: Carolina Torres, Carol Pfeufer, Maria Tischner, Ulla Hoering, Lena Hensel
Produktion: Anna Scholz, Carolina Torres, Sarah-Laurien Weiher, Johannes Weber
Host: Anna Scholz
Audio-Produktion: mucks audio (Sarah-Laurien Weiher, Johannes Weber)
Musik: mucks audio (Johannes Weber)
Transkript anzeigen
00:00:02: Ach so, wir müssen
00:00:03: nur bis hier.
00:00:04: Ja,
00:00:04: gut!
00:00:07: November-Zweißenfünfundzwanzig Ich bin im Jüdischen Museum in München zusammen mit Maja Jakubaitt.
00:00:15: Sie ist damals noch wissenschaftliche Voluntärin am Münchner Stadtmuseum.
00:00:19: Also sind jetzt eine Ausstellung die dritte Generation der Holocaust und familiären Gedächtnis im
00:00:24: jüdischen museum
00:00:25: als in unserer Schwesterninstitution
00:00:28: Das jüdische Museum München ist, genau wie das Münchner Stadtmuseum eine städtische Institution.
00:00:35: In der Ausstellung die wir hier besuchen gibt es eine Vitrine mit Silbergegenständen, die jüdischen Familien während der NS-Diktatur zwangsweise abgeben mussten.
00:00:44: Alles was hier ausgestellt ist wurde bereits restituiert also an die Erbinnen der ursprünglichen Eigentümerinnen zurück gegeben.
00:00:52: Also wir sehen ja hier eine ganze Wand mit verschiedenen Silberobjekten und mit Zitaten von Nachfahren, wie sich dazu äußern
00:01:02: welche
00:01:03: Bedeutung diese Resolutionen für sie hatten.
00:01:05: Ich finde das auch sehr schön.
00:01:07: ich sage es muss in München bleiben.
00:01:08: was ist sein Zuhause?
00:01:10: warum sollten wir es so anders hinbringen?
00:01:12: Es ist dort wo es hingehört.
00:01:15: Ja ganz schön.
00:01:17: Unter den Objekten in der Vitrine sind Kerzenständer, Silberleuchter Und auch ein Gegenstand, den wir aus diesem Podcast bereits kennen.
00:01:27: Ja und jetzt sehen wir den Schlüsselhaken.
00:01:30: Den sehr vielen Schlüssel-Haken aus dem ehemaligen Besitz von Hugo David Brandeis der hier sehr schön in der Vitrine hängt zusammen mit verschiedenen anderen Silberobjekten.
00:01:42: Hugo Brandeiss war der Münchner Kaufmann, der neunzehntvierzig mit seiner Frau Clara nach New York emigrieren musste.
00:01:49: Ihre Geschichte haben wir in Folge drei ausführlich erzählt.
00:01:53: Falls ihr die ersten Folgen dieses Podcasts noch nicht gehört habt, fangt am besten am Anfang an.
00:01:58: – aber zurück zum Schlüsselhaken!
00:02:01: Und wie kommt es da jetzt im Museum hin?
00:02:05: Ja also der Schlüssel Haken wurde von Bücher Stadtmuseum an die Nachfahren nach Hugo Brandteis zurückgegeben und sie haben sich entschieden diesen an das jüdische Museum zu
00:02:16: schenken.
00:02:17: Zu den Nachfahren von Hugo Brandteis gehört auch Noa, die junge israelische Studentin, die wir in der letzten Folge kennengelernt haben.
00:02:27: Für mich war es sofort klar.
00:02:29: Ich habe zu meinem Vater gesagt, dass ich das am respektvollsten finde, es dahin zurückzugeben, wo es hingehört.
00:02:39: Ende des neunzeirthreißiger Jahre wurden jüdischen Familien im Nationalsozialismus nicht nur ihre Berufe, ihre Wohnungen und ihre Existenzen genommen sondern sogar auch ihr Silber.
00:02:50: Ihr Schmuck, ihr Besteck, ihre Alltagsgegenstände – Ihre Würde!
00:02:55: Heute versucht Regina Prinz den betroffenen Familien ein Stück dieser Würde zurückzugeben.
00:03:01: Sie studiert die Inventarlisten des Münchner Stadtmuseums und erforscht die Herkunft der Sammlungsstücke.
00:03:07: Dieser Podcast ist also auch Teil einer Aufarbeitung.
00:03:10: Das Museum stellt sich seiner Vergangenheit und seiner Schuld.
00:03:13: Kein Sammlungsstück soll mehr unrechtmäßig hier sein.
00:03:17: Sie sollen restituiert Also zurückgegeben werden.
00:03:21: In dieser Folge sprechen wir über die Entscheidungen, die Erbinnen bei einer Restitution treffen müssen.
00:03:27: Was soll mit einem Gegenstand passieren?
00:03:29: Der zwar kaum materiellen aber dafür umso mehr emotionalen und historischen Wert hat!
00:03:35: Und wie schauen uns an, wie die Silberobjekte nach über achtzig Jahren für ihre weitere Reise vorbereitet werden?
00:03:42: Ich bin Anna Scholz, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin – und das ist Zeitschleifen.
00:03:47: The Restitution Files Ein Podcast des Münchner Stadtmuseums.
00:03:51: Hier nehmen wir euch mit auf eine Reise, von den neunzehntreißiger Jahren bis ins Heute – von München über die USA und Brasilien bis nach Israel!
00:04:00: Auf der Suche nach den Erbinnen des Silbers…und nach später Gerechtigkeit.
00:04:11: In der dritten und vierten Folge haben wir die Suche Von einem Schlüsselhaken, der von Hugo Brandeis damals im städtischen Leihamt abgegeben werden musste und einem Set von zwölf Kaffee-Löffeln die einst in der Besteckschublade des Arztes Dr.
00:04:44: Eugen Meyer lagen.
00:04:46: Der Historiker und Ahnenforscher Marius Wittke hat uns bereits erklärt wie kompliziert es war, wie heute erbberechtigen Personen zu finden – und in den meisten Fällen des Silberprojektes war's auch so dass es gleich mehrere erbberechtigte Personen gab!
00:05:02: Vor allem sind auch die untereinander teilweise nicht miteinander bekannt gewesen.
00:05:06: Das heißt durch uns gab es erst, ich nenn's jetzt mal so eine Family-Reunion und die mussten dann natürlich auch über den Globus verteilt noch miteinander sich abstimmen in verschiedenen Sprachen, in verschiedenen Zeitzonen – das dauert!
00:05:19: Und man hat natürlich auch zu unbekannten Leuten nicht sofort ein vertrautes Verhältnis, das verstehen wir auch total.
00:05:25: Diese sich unbekannten Menschen mussten dann gemeinsam entscheiden, was mit ihrem Erbstück von dem sie ja auch gerade erst erfahren hatten passieren sollte.
00:05:34: Kam es da auch mal zu Konflikten?
00:05:36: Was ihr so mitbekommen habt, wenn's mehrere auf einer Ebene gab?
00:05:39: Also das ist zum Glück nicht Teil von uns.
00:05:41: Das müssen die untereinander ausdiskutieren.
00:05:44: Viele sind sich schnell einig gewesen und manche haben etwas länger gebraucht und mussten diskutieren.
00:05:49: Die Familien hatten verschiedene Optionen – behalten, verkaufen ... oder an ein Museum, oder eine Institution stiften.
00:05:57: Und darüber habe ich auch mit Maya gesprochen als wir die Ausstellung im Jüdischen Museum München besucht haben.
00:06:03: Die Familien entscheiden sicher ganz unterschiedlich ob sie das Objekt zu sich nach Hause holen wollen aber es sind doch viele Familien wie uns fragen ja wie können wir die Geschichte erzählen?
00:06:13: Das ist so wichtig und das gehört zur Geschichte Münchens.
00:06:17: Im jüdischen museum erzählen aber nicht nur die Objekte selbst ihre Geschichten sondern auch Zitate von Erbinnen, von denen ich eben schon eines vorgelesen habe.
00:06:27: Und sind die Zitate extra anonym gehalten?
00:06:33: Ja dafür haben sich die Kuratorinnen entschieden weil sie eigentlich auch so viel mehr aussagen als nur vielleicht für eine spezifische Person dass ihr eigentlich auch allgemein gesprochen werden
00:06:43: können und auch wenn Sie anonym abgedruckt sind.
00:06:47: bei einem Zitat werde ich hellhörig Denn diese Geschichte kommt mir bekannt vor.
00:06:53: Es ist wie ein Kreislauf, meine Familie war hier musste nach Brasilien fliegen wo ich geboren wurde dann nach Israel auswandern und schließlich kam ich her zurück um zu verstehen was vorher hier war.
00:07:06: Das klingt doch sehr wie die Geschichte von Noa's Vater.
00:07:09: Seine Oma, Klärchen War die Tochter der Schwester von Hugo Brandeis Die während des Zweiten Weltkriegs nach Brasilian emigriert ist.
00:07:19: Ende der neunzigzehntiger Jahre zieht die Familie schließlich nochmal um nach Israel.
00:07:25: So hat es uns auch Noah erzählt.
00:07:30: Bevor Rebecca mich kontaktierte, wusste ich von meinen Großeltern.
00:07:34: Ich wusste von Klärchens Eltern.
00:07:36: Ich kannte die Geschichte dass sie rechtzeitig aus Deutschland geflohen waren und bis nach Brasilien geschafft hatten.
00:07:44: Noa und ihre Familie entscheiden sich dann dafür, den Schlüsselhaken im jüdischen Museum auszustellen.
00:07:53: Dieses Objekt hat – obwohl es klein ist eine große Bedeutung!
00:07:58: Und ich bin auch froh dass es für uns alle sofort klar war.
00:08:01: Es war einfach allen klar das wir das Silberobjekt dem Museum schenken müssen.
00:08:06: Sie wollen damit auch zeigen?
00:08:09: Wir sind noch da.
00:08:16: Es ist für die nächste Generation wichtig zu sehen, dass sie – obwohl sie nicht in Deutschland geblieben sind – ihr Leben so gut wie möglich leben wollten.
00:08:27: Und sie lebten weiter und entschieden sich für das Leben, obwohl die Geschichte der Vergangenheit sehr, sehr hart und sehr traurig ist.
00:08:36: Aber es ist so als würde man sagen wir waren vorher hier, wir sind jetzt
00:08:42: hier.".
00:08:43: Wir waren hier vor, wir sind jetzt hier.
00:08:49: Im Herbst-Zw.R.
00:08:50: reist Noah mit ihrem Vater nach München um an einer Veranstaltung des Münchner Stadtmuseums teilzunehmen.
00:08:56: Munich Roots heißt die und wir werden euch in der nächsten Folge noch mehr darüber erzählen.
00:09:02: Diese Reise macht für die beiden auf jeden Fall nochmal greifbarer dass ihre Familiengeschichte in München ihre Wurzeln hat Denn sie besuchen dabei unter anderem das Grab von Noors Ur-Ur-Opa, dem Schwager von Hugo Brandeis.
00:09:23: Und als wir im November hier in München waren, haben wir seinen Grad besucht!
00:09:31: Es ist natürlich traurig, aber es ist auch beeindruckend weil man irgendwie spürt das Wort früher Leben war vor dieser ganzen dunklen und traurigen Zeit in der Geschichte.
00:09:48: Für Noa und ihre Familie ist der Schlüsselhaken ihres Vorfahrens also irgendwie ein Symbol des Lebens eines Lebens dass die Nationalsozialisten auslöschen wollten.
00:09:59: Doch das haben sie nicht geschafft!
00:10:03: und der Schlüsselhaken sind immer noch hier.
00:10:07: Und auch für Robert Meyer, dem Krebsforscher aus Harvard haben die zwölf Silberlöffel die einst seinen Eltern gehörten vor allem eine emotionale Bedeutung.
00:10:23: Sie haben wahrscheinlich eher symbolischen Wert als einen materiellen.
00:10:27: Meine Mutter hat mir vor Jahren erzählt dass sie bevor sie enden in neununddreißig Deutschland verließen eine Truhe mit einigen Wertsachen gepackt hatten.
00:10:38: Und sie haben eine Firma bezahlt, die diese Dinge wohl in Südfrankreich vergraben sollte.
00:10:43: und dann nach dem Krieg bekamen sie die Truhe schließlich zurück.
00:10:49: aber alle darin verstauten Dinge waren verschwunden oder von jemandem gestohlen worden.
00:10:56: es gab also wenn man so will den Versuch einige Dinge zu bewahren.
00:11:02: Seine Eltern hatten bei ihrer Ausreise etwas Besteck und Alltagsgegenstände mitbringen können, aber die Wertgegenstände, die sie in Frankreich vor dem Krieg schützen lassen wollten, wurden ihnen gestohlen.
00:11:14: Und davon wusste Robert!
00:11:16: Aber dass seine Eltern ihr Silber-Ninzeltneununddreißig in München abgeben mussten, davon hatten sie ihm nie erzählt.
00:11:24: Umso mehr berührt ihn die Restitution...
00:11:29: Werden die Löffel einfach in den Müll geworfen oder in eine Schublade gesteckt worden, hätte niemand etwas davon bemerkt.
00:11:39: Ich hätte nichts davon gewusst.
00:11:41: Es gab keine Dokumente, die darauf hingewiesen hätten aber die Tatsache dass so viel Aufwand betrieben wurde um sie zurückzugeben und mich zu finden bedeutet mir viel.
00:11:58: Robert entscheidet sich vorerst dafür, dass die Löffel zu ihm zurückkehren sollen.
00:12:04: Ob sie auch bei ihm bleiben weiß er noch nicht.
00:12:07: Ich habe mich noch nicht wirklich entschieden.
00:12:10: Zunächst ist für ihn aber wichtig, die Löfl zu Hause zu haben.
00:12:14: Denn Sie sind auch eine Möglichkeit für seine Töchter und Enkelkinder, die Verbindung zu ihren Wurzeln zu vertiefen.
00:12:22: Sie bedeuten ihnen sehr viel weil es eine Brücke baut.
00:12:26: Sie kannten meine Eltern nicht, keiner von ihnen kannte sie.
00:12:29: Es ist also eine Möglichkeit, eine Verbindung herzustellen – eine Verbindung zwischen Familie und
00:12:34: Tradition.".
00:12:35: Und er zeigt sie Menschen aus seinem Umfeld die eine ähnliche Biografie haben.
00:12:42: Wir zeigen sie den Leuten vor allem bestimmten Menschen.
00:12:44: Das ist zum Beispiel dem Solo-Bratschisten des Boston Symphony Orchestra, dessen Mutter im gleichen Alter wie meine Schwester war.
00:12:53: Sie wurde in den Mönchchen in die Löffel geboren und wir haben ihnen die Lüftel gezeigt.
00:12:59: Es war für ihn sehr bewegend so etwas zu sehen.
00:13:02: Es ist mehr als nur ein Artefakt, es ist eine Symbol.
00:13:07: Vielleicht auch ein Symbol dafür dass es einen Leben vor dem Grauen des Zweiten Weltkriegs gab?
00:13:12: So wie Noah das empfindet... Und dann eben auch ein Leben danach, also ein Symbol des Überlebens.
00:13:22: Zoomen wir an dieser Stelle mal kurz raus!
00:13:25: In der Sammlung des Münchner Stadtmuseums befanden sich in dem Jahr- und-Zwischen noch einenhundertvierzig Silberobjekte die unrechtmäßig dort gelandet waren.
00:13:36: Denn die NS Diktatur hatte neunzehnunddreißig jüdische Personen dazu gezwungen ihre Wertgegenstände im städtischen Laiamt abzugeben – das Museum hatte einige davon günstig angekauft.
00:13:48: Die Provenienzforscherin Dr.
00:13:50: Regina Prinz und ihr Team konnten inzwischen Erbinnen für fast alle der Hundertvierzig-Gegenstände ausfindig machen, und diese Erbinne dürfen dann selbst entscheiden was mit dem Silber geschehen soll.
00:14:02: Eine Familie entschloss sich zum Beispiel ihre Erbstücke zu versteigern andere schenkten oder verkauften sie an Museen und viele holten die Gegenstände zu sich nach Hause.
00:14:13: Und das ist dann auch für das Team des Münchner Stadtmuseums, dass sich schon so lange mit dem Silber beschäftigt hat.
00:14:19: Eine aufregende Phase erzählt Regina!
00:14:25: Man hat die ja auch eingeparkt und es sich dann auch im Grunde genau verabschiedet.
00:14:28: davon war schon speziell.
00:14:31: also das war schon immer ein Moment wenn sie da in der Verpackung verschwunden sind und man dann eben sich vorgestellt hat wo sie dann landen.
00:14:40: Die Nachfahren der im Zweiten Weltkrieg emigrierten Jüdinnen und Juden leben heute auf der ganzen Welt verstreut.
00:14:47: Noahs Familie zum Beispiel in Israel, Roberts in den USA Und deswegen müssen natürlich auch die Silbeobjekte häufig eine weite Reise antreten.
00:14:58: Es war auch sehr schön dass ein Mitarbeiter des Museums vor zwei oder drei Jahren an einem kalten Sonntagmorgen zu uns nach Hause kam und sie persönlich vorbeibrachte.
00:15:11: Ein Kollege aus dem Bayerischen Nationalmuseum hat die Löffel persönlich zur Familie Meier nach Boston gebracht, er hat zu der Zeit an einem ähnlichen Projekt gearbeitet und ist deswegen selbst auf USA-Reise gewesen.
00:15:24: Und diese persönliche Lieferung und Übergabe war dem Team ein zentrales Anliegen im Projekt und konnte auch in fast allen Fällen umgesetzt werden.
00:15:33: Nur ausnahmsweise machten sich Objekte auch per Post auf den Weg
00:15:38: Und das sind dann auch schon die schönen Momente, wo man sagt okay ich mache es jetzt reisefertig.
00:15:42: Dass es gut versorgt ist in der Schachtel und dass es gute Heile ankommt.
00:15:46: Untertreu ist auch bisher in allen Fällen so
00:15:48: gewesen.".
00:15:49: Das ist Monika Bartsch.
00:15:51: Ich bin seit sechzehn Jahren die Leitung der Ressouringsabteilung im München Stadtmuseum.
00:15:56: Monika kümmert sich nicht nur darum, dass sie zur restituierenden Gegenstände gut gepolst hat auf Reise gehen.
00:16:02: Sie sorgt vor allem auch dafür,
00:16:08: Und das ist eben unsere Aufgabe, dass wir uns darum kümmern, diesen Objekten aus bestimmten Gründen zu sammeln.
00:16:15: Dass denen nichts passiert.
00:16:17: Dass die keinen Verfall unterliegen und erhalten bleiben für am besten viele Generationen noch.
00:16:24: Monika wirkt wie eine umsichtige Person, die wirklich gut auf ihre Objekte aufpasst.
00:16:31: Aber das macht sie natürlich nicht alleine, sondern sie hat eine Abteilung mit Mitarbeiterinnen für jeweils eigene Fachbereiche.
00:16:39: Restauratorin oder Restaurator ist heute ein akademischer Beruf.
00:16:44: Im Studium belegt man dann Fächer wie Kunstgeschichte, Chemie, Physik und Materialkunde Und am Ende spezialisiert man sich dann für einen Bereich.
00:16:52: Am Münchner Stadtmuseum arbeiten zum Beispiel Textil, Metall- und PapierrestaurateurInnen Ihre Objekte, egal ob es jetzt Silberlöffel oder Ölgemälde sind so gut wie möglich schützen können.
00:17:06: Sind in einem Museum die Lagerungsbedingungen am wichtigsten?
00:17:10: Das ist.
00:17:11: Klima wird unterschätzt.
00:17:12: Jeder kennt das im Wohnzimmer macht die Tür auf das Klavier knackt und das sind so die Anzeichen wo man einfach dann irgendwie wo man Rückschlüsse ziehen könnte
00:17:22: Und das gilt auch für das Silber.
00:17:24: Also das, was wir tun können an diesen Objekten ist natürlich in der Zeit, wo sie in unserem Besitz waren.
00:17:30: Dass wir da aufgepasst haben, dass es ihnen gut geht und dazu gehört auch, dass man zum Beispiel bei Silberobjekten die allein durch die Umgebungsbedingungen, was in der Luft drin ist, was normal in der Lüft enthalten ist, läuft silber an.
00:17:44: Und dann verfärbt es sich?
00:17:46: Es kennt jeder von zu Hause.
00:17:48: Silberlöffel werden dunkel hin- und wieder werden sie geputzt oder mit sonstigen Hilfsmitteln schön gemacht.
00:17:55: Aber während Monika und ihr Team bei alten Gemälden auch schon mal Farbschichten kitten oder retuschieren müssen, also dann quasi direkt ins Objekt eingreifen machen sie das beim Silber ganz bewusst nicht.
00:18:08: Denn Monika Bartsch und ihr team haben ein Arbeitsmotto dass immer gelten soll.
00:18:13: Bei der Restaurierung ist es immer so viel wie nötig und so wenig wie möglich weil jede Zutat oder jeder ist halt einen Eingriff in die Originalsubstanz
00:18:21: Und das Silber soll eben möglichst nah an seinem ursprünglichen Zustand bleiben.
00:18:26: Im Fall von einem Silberlöffel zum Beispiel ist es ja eine feste Verbindung mit dem Silber dieses Schwerzen und wenn ich an die Oberfläche gehe, nehme ich immer einen Hauch des Silbers weg was eigentlich zu diesem Löffel gehört.
00:18:39: Und zu den Silbergegenständen gehört noch etwas Wir wissen ja schon dass jedem Sammlungsstück im Münchner Stadtmuseum beim Einzug eine Inventarnummer zugeordnet wird Und diese Nummer wurde damals manchmal auch direkt auf die Silberobjekte draufgeschrieben.
00:18:56: Aber auch diese Inventarnnummer entfernen wir nicht, wenn wir die Objekte restituieren weil ... Wir haben mal beim einen oder anderen Besitzer nachgefragt aber das möchte und dann hat aber die Erfahrung eigentlich gelehrt Die wollen es gar nicht sondern das ist für sie natürlich ein Geschichtsdokument.
00:19:15: Heute kann Monika nur noch dafür sorgen dass dem Silber nichts weiter passiert Und dafür ist es eben am wichtigsten, dass das Silber vor der Umgebungsluft geschützt ist.
00:19:25: Denn die Gase in der Luft sorgen dafür, dass da Silber über die Zeit dunkel anläuft – darüber haben wir schon gesprochen.
00:19:32: Das wollen wir ja vermeiden und darum gibt es einen speziell entwickelten Stoff, indem man diese Objekte einschlagen kann und dieser Stoff absorbiert diesen schädigen Stoff aus der Luft.
00:19:43: Dieser Stoff ist so dünn wie Filz und fühlt sich ein bisschen wollig an!
00:19:48: Er ist so weich, dass er keine Kratzer verursacht, wenn man ihn um das Silber wickelt.
00:19:53: Ab und zu muss der mal gewechselt werden?
00:19:55: Dann ist ja gesättigt!
00:19:56: Und dann muss man das Ganze wieder neu einwickeln.
00:20:00: Wenn sich die zu restituierenden Silberobjekte auf die Reise machen, werden sie zunächst auch genau in diesen Stoff gewickelt... ...und was dann folgt klingt auch irgendwie wie eine Wissenschaft für sich.
00:20:13: Meistens wird es noch, dass das Stoß sicher ist.
00:20:15: Es wird noch in einer Archivschachtel, die keine Schadgas ausdünstet eingepackt und je nachdem wie weit es reißt oder nach Zielort auch mit dem Flugzeug geht, wird es dann meistens auch noch in eine ein bisschen klimapuffernde Folie, Luftpolsterfolie kennt man
00:20:33: vielleicht.".
00:20:35: Und dann wird in dieser Archiv-Schachtel noch einen Schaumstoff gelegt?
00:20:38: Wenn wir für den Transport einpacken kriege ich das Ganze noch so Wie ein kleines Inlet.
00:20:43: Das heißt, das ist auch ein dickeres Schaum-Material, wo wir Ausschnitte machen und genau einpassen.
00:20:51: Dann wird es mit Bändern festgebunden, dass es nicht verrutscht während des Transportes.
00:20:58: Das Münchner Stadtmuseum hat in den letzten Jahren Silberobjekte in der ganzen Welt zurückgegeben.
00:21:04: In Kürze wird sogar ein Paket nach Australien gehen.
00:21:08: Für Monika Baatsch ist es jedes Mal ein Highlight!
00:21:11: Aber es ist auch ein gutes Gefühl, sie zurückzugeben.
00:21:14: Also das denke ich jedes Mal beim Einpacken.
00:21:17: Ihr sollt wieder dahin, wo ihr herkommt.
00:21:19: Sie gehören uns
00:21:20: nicht.".
00:21:21: Und die Objekte, die entweder keine Erbenen gefunden haben oder wo das Team noch auf der Suche ist sollen es im Museum so gut wie möglich haben, sagt Monika.
00:21:31: Das sind dann Sachen ... Den geht es bei uns gut und sie werden gewertschätzt und man kümmert sich um sie.
00:21:40: Die Rückkehr der Silbergegenstände bedeutet für die Familien, für Robert und für Noah sehr viel.
00:21:47: In der nächsten und letzten Folge wollen wir aber auch darüber sprechen warum diese Restitutionen auch für uns als Gesellschaft heute noch so wichtig sind.
00:21:55: Warum macht es einen Unterschied ob zwölf Silberlöffeln einer Vitrine in München liegen oder bei ihrem Eigentümer in Boston?
00:22:04: Es ist unsere gesellschaftliche Pflicht hier für Aufklärung zu sorgen, Faschismus funktioniert, V-Totaleritismus funktioniert und daher ist diese Arbeit gerade... Also sie war schon eigentlich immer wichtig.
00:22:21: Aber sie wird einfach, sie verliert keinerlei Bedeutung, sie wird noch
00:22:25: wichtiger.".
00:22:27: Zeitschleifen.
00:22:28: The Restitution Files ist ein Podcast des Münchner Stadtmuseums.
00:22:32: Audioproduktion, Mux-Audio Redaktion Carolina Torres und das Team Kommunikation des Münchener Stadtmuseums.
00:22:39: Autoren dieser Folge bin ich Anna Scholz.
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