The Restitution Files (4/6): Die nachfolgenden Generationen

Shownotes

Im Frühjahr 2023 passiert endlich das, worauf das Team des Münchner Stadtmuseums lange hingearbeitet hat: Die ersten Erb*innen sind gefunden! Einer von ihnen ist Robert Mayer, Sohn der Eigentümer der zwölf Silberlöffel aus der NS-Zwangsabgabe, dem dieser Teil seiner Familiengeschichte bislang komplett unbekannt war. Parallel dazu führt die Recherche zur Studentin Noa Karniro in Israel, einer Erbin des Schlüsselhakens, deren familiäre Wurzeln sich über mehrere Kontinente erstrecken. Für beide ist die Kontaktaufnahme emotional und unerwartet – und die Konfrontation mit ihren Erbstücken eher ein Ausgangs- als ein Schlusspunkt.

In der vierten Folge von "Zeitschleifen. The Restitution Files" hört ihr, wie das Silberprojekt eine persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte anstößt, verstreute Familienzweige miteinander in Kontakt bringt und viele mit einer Vergangenheit konfrontiert, über die lange geschwiegen wurde. Was bedeuten die Erbstücke für die Nachfahr*innen heute? Und wie soll es nun mit den Objekten weitergehen?

Inhalt:

[00:00:00] Einleitung

[00:02:25] Teil 1: Robert

[00:11:59] Teil 2: Noa

[00:16:13] Teil 3: Kontaktaufnahme aus München

[00:24:21] Abspann und Ausblick

Abbildungen/Verweise:

Album „Silber aus ehemals jüdischem Besitz" in der Sammlung Online des Münchner Stadtmuseums

Einer der 12 Silberlöffel mit der Inventarnummer 1009: Louis Wollenweber, 12 Kaffeelöffel, 1819 und 1824, Silber, Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst

Joseph Strasser, Schlüsselhaken, 1842, Silber, 13 cm, Münchner Stadtmuseum, K-39/1215

Weiterführende Ressourcen:

Weitere spannende Einblicke in das Thema Provenienzforschung am Münchner Stadtmuseum bekommt ihr auf der Website des Münchner Stadtmuseums unter:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz

Kontaktinformationen:

Die Redaktion ist zu erreichen unter presse.stadtmuseum@muenchen.de.

Credits:

Recherche und Skript: Anna Scholz

Redaktion: Anna Scholz, Carolina Torres, Carol Pfeufer, Maria Tischner, Ulla Hoering, Lena Hensel

Produktion: Anna Scholz, Carolina Torres, Sarah-Laurien Weiher, Johannes Weber

Host: Anna Scholz

Audio-Produktion: mucks audio (Sarah-Laurien Weiher, Johannes Weber)

Musik: mucks audio (Johannes Weber)

Transkript anzeigen

00:00:05: Im

00:00:07: Fall von Robert Mayer war er, glaube ich, eines der ersten Familienmitglieder, das sich im Mai und Jahrzehnteilundzwanzig ausfindlich gemacht habe.

00:00:15: Und ich habe mich sehr gefreut einen so nahen, direkten Nachfahren des ursprünglichen Eigentümers gefunden zu

00:00:20: haben.".

00:00:22: Erinnert euch?

00:00:23: Das ist Rebecca Freedman Kunsthistorikerin Juristin und Spürnase beim Holocaust Claims Processing Office in New York City.

00:00:32: Wir haben sie schon in der letzten Folge kennengelernt und falls ihr die ersten Folgen noch nicht gehört habt, fangt am besten am Anfang an.

00:00:40: Rebecca hat dem Team des Münchner Stadtmuseums dabei geholfen, die forty-sechs rechtmäßigen Erbinnen der Silberobjekte zu finden, die durch die silberzwangsabgabe während der NS Zeit im Museum gelandet waren.

00:00:53: Der Erbe von zwölf Kaffee Löffeln Robert Meyer war einer der ersten den das Team identifiziert hat.

00:01:00: Seine Eltern, der Arzt Eugen und die promovierte Kunsthistorikerin Gertruth waren neunzehnunddreißig von München nach New York emigriert.

00:01:08: Und ihre Geschichte haben wir ebenfalls in der letzten Folge erzählt.

00:01:14: Wir hatten die Ausgangslage, wir haben in die Akten geguckt.

00:01:17: Wir haben sofort Namen gefunden und mit unseren Kooperationspartnern konnten wir dann die Namen recherchieren relativ schnell Nachfahren ausfindig machen und an die herantreten.

00:01:28: Das ist Dr.

00:01:29: Marius Wittke vom Münchner Stadtmuseum, der die Suche nach den Erbinnen übernommen hat.

00:01:35: Die Meiers hatten schon direkt nach dem Krieg wieder Gutmachung beantragt – das bedeutet, dass sie bei der Bundesrepublik Deutschland eine Entschädigung gefordert haben für all das was ihnen während der NS-Zeit genommen wurde.

00:01:47: Und durch diese Akten kommt das Museum dann auch im Jahr und zwei Tausendundzwanzig schnell auf die Spur des Sohnes der Familie Meyer, den Rebecca Freedman schließlich über seine Tochter kontaktiert.

00:01:59: Ich glaube, ich habe über seine Tochterkontakt aufgenommen.

00:02:03: Die mir eine äußerst begeisterte Antwort geschickt hat und darauf folgte dann ein Telefonat mit Robert und seiner

00:02:09: Frau.".

00:02:10: Bei diesem Call lernt Robert zunächst Rebecca kennen – und später per Mail auch das Provenienzforschungsteam aus München, Regina Prinz und Marius Wittke.

00:02:19: Und das Team lernt einen Erben der zweiten Generation kennen — den Sohn-der-Löffel-Eigentümer.

00:02:25: Mein Name ist Robert Meier.

00:02:28: Ich wurde

00:02:29: in nineteen hundertdreiundvierzig in New York City geboren,

00:02:34: ich

00:02:35: bin Arzt.

00:02:35: Ich bin sogenannte medizinischer Onkologe also Krebsarzt.

00:02:39: Und ich unterrichte an der Harvard Medical School wo ich als Professor tätig bin.

00:02:45: Robert ist im Mai zwei tausend dreiundzwanzig neun und siebzig Jahre alt und für ihn war es eine große Überraschung von einem Erbstück seiner Eltern zu erfahren.

00:02:57: Meine Eltern sprachen kaum über das, was sie während ihrer Flucht erlebt hatten.

00:03:02: Es war zu schmerzhaft.

00:03:04: Es gab schlimme Erinnerungen an Menschen die nicht fliehen konnten.

00:03:08: Die Eltern meiner Mutter landeten in Theresienstadt, wo sie uns leben kamen.

00:03:13: Deshalb wurde darüber kaum gesprochen als ich ein Kind

00:03:16: war.".

00:03:22: die kaum materiellen Wert haben, schicken den neun und siebzigjährigen auf eine bewegende Reise in seine Vergangenheit.

00:03:31: Es ist

00:03:32: eher ein Anfang, weil es irgendwie rätselhaft ist.

00:03:36: Ich versuche

00:03:36: mehr darüber zu erfahren wie ihr Leben aussah.

00:03:41: Es wäre wahrscheinlich nicht so mysteriös wenn meine Eltern offen darüber gesprochen hätten, wie er leben war.

00:03:49: Ende der neunzwar dreißiger Jahre wurden jüdischen Familien im Nationalsozialismus nicht nur ihre Berufe, ihre Wohnungen und ihre Existenzen genommen sondern sogar auch ihr Silber.

00:04:00: Ihr Schmuck, ihr Besteck, ihre Alltagsgegenstände – Ihre Würde!

00:04:05: Heute versucht Regina Prinz den betroffenen Familien ein Stück dieser Würde zurückzugeben.

00:04:11: Sie studiert die Inventarlisten des Münchner Stadtmuseums und erforscht die Herkunft der Sammlungsstücke.

00:04:17: Dieser Podcast ist also auch Teil einer Aufarbeitung.

00:04:20: Das Museum stellt sich seiner Vergangenheit und seiner Schuld.

00:04:24: Kein Sammlungsstück soll mehr unrechtmäßig hier sein, sie sollen restituiert – also zurückgegeben werden!

00:04:31: In dieser Folge beschäftigen wir uns mit den Erbinnen des Silbers.

00:04:35: Was bedeuten diese kleinen, vermeintlich unscheinbaren Objekte für Sie und Ihre Familien?

00:04:41: Und was können die Nachfahren uns über die Menschen erzählen, die ihr Silber vor über achtzig Jahren zwangsweise abgeben mussten?

00:04:49: Ich bin Anna Scholz, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin.

00:04:52: Das ist Zeitschleifen The Restitution Files – ein Podcast des Münchner Stadtmuseums.

00:04:58: Hier nehmen wir euch mit auf eine Reise von den neunzehntreißigerjahren bis ins Heute!

00:05:03: Von München über die USA und Brasilien bis nach Israel.

00:05:07: Auf der Suche nach den Erbinnen des Silbers nach später Gerechtigkeit.

00:05:33: Meine Eltern kamen in die USA, nachdem sie in München gelebt haben.

00:05:39: Im Februar, wir verabreden uns mit Robert zu einem Videocall.

00:05:45: Wir möchten mehr über seine Familiengeschichte erfahren und wissen was aus Eugen und Gertrud Meier geworden ist, nach dem Sie München verlassen mussten.

00:05:55: Meine

00:05:55: Eltern fanden sich ganz allein in einer neuen Welt wieder, keiner von beiden sprach Englisch.

00:06:01: Mein Vater war zwanzig Jahre lang als Arzt in München tätig gewesen und meine Mutter war ausgebildete Kunsthistorikerin.

00:06:09: Mein Vater musste Englische lernen und anschließend Prüfungen ablegen um die ärztliche Zulassung zu bekommen.

00:06:16: Und meine Mutter wurde wie sagt man auf Deutsch Eine Putzfrau.

00:06:24: Sein Vater kann nach der Ankunft in New York erst mal nicht als Arzt arbeiten, empfehlen sowohl die Sprachkenntnisse als auch die Zulassung in den USA.

00:06:33: Roberts Mutter hält die Familie deswegen erstmal als Putz-Frau über Wasser

00:06:37: und in two

00:06:41: and a half Jahre später gelangst meinem Vater auf wundersame Weise, die Englischprüfung zu bestehen und anschließend die sogenannten State Boards.

00:06:54: Also die Prüfungen, die man für die Zulassung als Arzt

00:06:57: braucht.".

00:07:00: Zweieinhalb Jahre dauert es also bis Dr.

00:07:02: Eugen Meier auch in den USA als Arzarbeiten darf!

00:07:06: Eugen & Gertrud kaufen sich dann ein Haus auf Long Island einem Vorort von New York und Eugen eröffnet dort seine Praxis.

00:07:14: Kurz nach dem Umzug nach Long Island wird Robert geboren.

00:07:17: Wir haben schon in Folge drei gehört, dass die erstgeborene Tochter von Eugen und Gertrud Meyer kurz nach ihrer Ankunft in New York bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war.

00:07:28: Ich war

00:07:29: wohl so etwas wie der Ersatz für meine Schwester, weil ich ... ... neunzehnhundertdreiundvierzig geboren wurde.

00:07:36: Mein Vater war damals neunvierzzig.

00:07:39: Meine Mutter war zweiundvierzig.

00:07:41: Sie waren also nicht mehr die Jüngsten

00:07:44: und

00:07:45: ich wuchs als Einzelkind auf.

00:07:47: Als Einzelkind bekommt Robert viel Aufmerksamkeit von seinen Eltern, nur über ein Thema wird kaum geredet – was seine Eltern während der NS-Diktatur in Deutschland erlebt haben.

00:08:00: Es

00:08:00: war sehr schmerzhaft aber sie haben es einfach abgetan.

00:08:05: Wenn wir Familienfeiern hatten habe ich immer wieder nach Einzelheiten gefragt, aber sie wollten nicht wirklich darüber reden.

00:08:14: Seine Eltern haben bis an ihr Lebensende keinen Fuß mehr auf deutschem Boden setzen wollen, erzählt Robert.

00:08:20: Sie sprechen sogar eine Zeit lang gar kein Deutsch mehr – auch nicht miteinander.

00:08:27: Als ich ein Kind war, sprachen sie Deutsch.

00:08:30: Dann kamen sie irgendwie zu dem Schluss, dass sie Englisch niemals so lernen würden wie das US-amerikaner Ende sprechen, wenn sie Deutsch sprachen.

00:08:38: Also sprachen die mehr Englische und wollten, dass sich kein deutschen Akzent bekommen.

00:08:43: Aber im Laufe der Jahre entwickelte sich eine Art Mischform.

00:08:46: Sie benutzen deutsche und englische Wörter, sie verstanden sich ich verstand sie und so hat es

00:08:53: funktioniert.".

00:08:54: Aber sie seien sehr stolz auf ihre Wurzeln und ihr Aufwachsen in der deutschen Kultur gewesen.

00:09:01: Das einzige was ich wusste war dass er sich manchmal zum Mittagessen ein deutsches Restaurant sucht um meine Wurst zu essen oder das wir immer einen Ticket hatten Sobald deutsche Orchester anfingen, nach New York zu kommen.

00:09:17: Überhaupt hatten Kunst und Musik im Meierhaushalt einen hohen Stellenwert.

00:09:23: Es war nie so teuer ein gutes Ticket für ein Konzert zu kaufen.

00:09:28: Man brauchte weder die schickste Kleidung noch das schickeste Auto Aber man brauchte einen guten Platz im Konzertsaal.

00:09:37: Regelmäßig musiziert sein Vater auch Zu Hause mit Kollegen.

00:09:41: Er spielt dabei Klavier.

00:09:44: Damit bin ich aufgewachsen und ich bin wirklich sehr dankbar dafür!

00:09:48: Wir achten auch darauf, dass unsere Enkelkinder ebenfalls Konzerte- und Kunstausstellungen besuchen.

00:09:54: Nach den ersten beschwerlichen und von Trauer geprägten Jahren in New York scheinen die Meyers sich nun wieder den schönen Seiten des Lebens zu wenden können.

00:10:02: Sie gehen regelmäßig zur Konzerten, fahren einmal im Jahr an den Urlaub und können ihrem Sohn Robert eine gute Ausbildung ermöglichen.

00:10:13: Ich musste mich entscheiden, ob ich es meinem Vater gleich tun und Arzt werden sollte.

00:10:18: Aber ich hatte auch eine Leidenschaft für Musik – also habe ich beides studiert!

00:10:23: Und das waren vier sehr anspruchsvolle Jahre, für die ich sehr dankbar bin.

00:10:29: Dann hatte ich das Glück an die Harvard Medical School zu kommen, wo ich vier Jahre verbrachte und meine Ausbildung als Arzt abgeschlossen habe.

00:10:39: Robert gilt heute als Koryphäe im Bereich von gastroenterologischen Krebsarten, also Krebs-im-Magen-Darm-Bereich.

00:10:46: Wir sagen Gilt Präsens weil er auch mit zweiundachtzig Jahren das Stethoskop noch nicht an den Nagel gehängt hat.

00:10:55: Zwei

00:10:55: Mal pro Woche behandle ich Patienten.

00:10:57: seit dreiundzwanzig Jahren bin ich Leiter der Zulassungsstelle in der Harvard Medical School.

00:11:03: dieses mein letztes Jahr.

00:11:04: es reicht dann auch.

00:11:05: Und auch wenn seine Eltern Deutschland nie wieder besucht haben, hat sich Robert mit seiner Familie immer wieder auf Spurensuche begeben.

00:11:13: In den Neunzehn-Achtzigern reist er mit seinen beiden Töchtern nach Deutschland.

00:11:18: Später nimmt der auch seine vier Enkelkinder in das Heimatland ihrer Urgroßeltern.

00:11:27: Ich habe meine Schwiegersöhne mitgenommen.

00:11:29: Meine Töchter sind beide verheiratet sowie die vier Enkelkinder und ... Wir waren in Deutschland.

00:11:37: In Berlin, in Koburg und in München.

00:11:43: Robert's Spurensuche ist noch lange nicht abgeschlossen.

00:11:46: Aber dank der Information aus München ist er einen großen Schritt weiter.

00:11:54: Und noch jemand ist auf der Suche nach tieferen Einblicken in ihre Familiengeschichte.

00:12:00: My grandmother didn't talk ... Meine Großmutter hat nicht viel darüber gesprochen, was ihre Eltern in Deutschland durchgemacht haben.

00:12:09: Ich glaube, ihre Eltern wollten nicht darüber

00:12:12: reden.".

00:12:13: Noa's Geschichte ist ähnlich und doch ganz anders als Roberts.

00:12:20: Ne, warte!

00:12:20: Ich bin etwas aufgeregt... ich heiße Noaa, bin sechsundzwanzig Jahre alt und studiere derzeit im Israel-Ingenieurwesen.

00:12:33: Sie ist Erbin der fünften Generation.

00:12:37: Also das heißt, ihre Ur-Uroma – also die Oma ihres Vaters war die Schwester von Hugo Brandeis Karolina Kerry Bauer.

00:12:49: Ich hatte schon immer eine Verbindung zu Deutschland.

00:12:52: Das habe ich im Alter von sieben Jahren erfahren.

00:12:54: Kerry Bower war während des Zweiten Weltkriegs mit ihrer Tochter Clara genannt Klärchen nach Brasilien geflüchtet.

00:13:02: Auch Noa´s Oma und ihr Vater kommen in Brasilien zur Welt, bevor die Familie in den USA nach Israel emigriert.

00:13:10: Denn auch in Brasilian gab es damals viel Antisemitismus.

00:13:16: Die Menschen dort haben sie als Juden nicht akzeptiert – was für sie ein Dijavu war!

00:13:23: Sie hatten das Gefühl, dass es viel Antisanismus gab und das Leben in Brasilia war für sie nicht einfach.

00:13:31: Nur selbst ist also in Israel geboren, in eine Familie mit ganz unterschiedlichen kulturellen Wurzeln.

00:13:41: Meine Mutter und ihre Familie stammen aus Indien und mein Vater – wie ihr wisst – ist halb Deutscher, halb Brasilianer.

00:13:49: Ich bin also gemischter Herkunft.

00:13:51: Überall wo Leute mich kennenlernen nennen sie mich den FIFA Cup.

00:13:58: Sie isst aber auch?

00:14:00: Man kann sagen, ich bin eine neugierige Person.

00:14:03: Noa will ganz genau wissen wo sie herkommt und was ihre Wurzeln sind.

00:14:10: Mich interessieren die Orte meiner Vorfahren sehr denn ohne Sie wäre ich heute nicht hier.

00:14:17: Mit sieben Jahren findet sie heraus dass ihre Wurtzeln nicht nur nach Brasilien reichen sondern bis nach Deutschland.

00:14:26: Meine Eltern haben davon gesprochen, dass sie einen deutschen Pass für uns beantragen wollen.

00:14:32: Und deshalb haben Sie meine Großmutter um alle Unterlagen gebeten.

00:14:36: Einen zweiten Pass zu haben ist einfach so ein

00:14:39: Sicherheitsding.".

00:14:41: Noas Eltern fahren damals mit ihr und den Dokumenten ihrer Großmütter zur deutschen Botschaft in Tel Aviv.

00:14:55: Wo kommt ihre Familie her und was ist die Geschichte hinter den Dokumenten ihrer Oma?

00:15:02: Sie löchert ihre Eltern.

00:15:05: Und sie haben es versucht, sie waren wirklich offen dafür.

00:15:10: Ich habe sie dazu motiviert mit mir gemeinsam zu

00:15:13: recherchieren.".

00:15:15: Aber wie bei Roberts Eltern möchte bzw wohl eher kann Noas Oma ihnen nicht viel über ihre Familiengeschichte erzählen Denn auch Ihre Mutter und Großmutter, also Klärchen und Carrie haben nicht gerne über ihr Leben in der NS-Diktatur und ihre Flucht geredet.

00:15:34: Sie wollte sich wirklich auf das Leben im Brasilien konzentrieren Und sie war ein fröhlicher Mensch.

00:15:40: Deshalb wollte sie nicht zu der Traurigkeit zurückkehren und zu dem was sie auf dem ganzen Weg von Deutschland nach Brasilien durchmachen mussten Denn darin steckt noch mal eine ganze Geschichte für sich

00:15:53: Und gerade in Israel fällt es vielen Menschen schwer, über den Holocaust zu sprechen.

00:16:02: Als Israelis reden wir nicht wirklich darüber weil es eine traurige Angelegenheit ist.

00:16:08: Es sind wirklich tiefgreifende Themen auf die man da eingeht.

00:16:12: Für Noah ist es daher umso aufregender als folgende E-Mail in ihrem Postfach landet Die Absenderin Rebecca Friedman.

00:16:24: Liebe Brandeis-Erben, ich hoffe es geht euch allen gut.

00:16:27: Ich möchte nachhaken und fragen ob ihr Gelegenheit hattet darüber zu sprechen wie er den Restitutionsanspruch für das Silberobjekt regeln möchtet?

00:16:36: Und dann hat sie uns in dem WebEx Meeting eingeladen.

00:16:39: Wir

00:16:40: haben bereits in der letzten Folge gehört.

00:16:42: dass ist für Rebecca Friedman ganz schön.

00:16:44: schwierig war der Brandeisfamilie auf die Spur zu kommen vor allem dem brasilianischen Zweig.

00:16:50: zudem auch Noa's Familie gehört.

00:16:54: Das ist eine lustige Geschichte.

00:16:56: Sie sagte, wir waren nicht auffindbar!

00:16:58: Die einzige E-Mail Adresse die sie hatte war die Uni E-Maile Adresse meines Bruders also hat sie ihn kontaktiert.

00:17:05: Nur das Bruder bekommt also die erste Mail und der denkt sich erstmal so... Hä?

00:17:11: Worum

00:17:11: geht's?!

00:17:15: Eines Tages bekam mein Bruder eine E-Mail, in der es um irgendein Objekt ging.

00:17:21: Um einen Silberobjekt oder so etwas in der Art und er sagte zu uns ich weiß nicht das interessiert mich nicht wirklich.

00:17:29: Ich finde das nicht spannend!

00:17:31: Ich geb's euch ihr wisst schon was ihr damit machen müsst.

00:17:36: Er weiß dass Noa sich sehr für ihre Familiengeschichte interessiert und gemeinsam mit ihrem Vater auch schon viel recherchiert hat.

00:17:44: Die beiden lesen also die Mail und sind im ersten Moment so ein bisschen skeptisch.

00:17:51: Zuerst dachten wir, es handele sich um einen Scam – aber wir haben sowohl mit Regina als auch mit Rebecca gesprochen und das dossier gelesen, dass sie uns zu dem Objekt geschickt haben.

00:18:02: Und dabei haben wir eine Menge gelernt!

00:18:06: Denn auf diese erste Mail von Rebecca folgt einem Mail der Provenienzforscherin Regina Prinz und ihren KollegInnen vom Münchner Stadtmuseum.

00:18:14: Rebecca hat das immer eingesammelt, diese E-Mails und hat dann die Familien in einem ersten Schritt angeschrieben.

00:18:21: Und hat gesagt Hallo darf ich euch das Münchner Stadtmuseum vorstellen?

00:18:26: Wir möchten über Objekte aus der Silberzwangsabgabe mit euch sprechen.

00:18:32: Dann hatte ich im Prinzip die Einladung, die Familien direkt anzusprechen und ihnen alle Informationen zu schicken, die wir bis dahin eben hatten.

00:18:42: Regina hatte zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren zu den Silberobjekten recherchiert und zu jedem Objekt ein ausführliches Dossier erstellt.

00:18:51: Die Familien bekommen das dann als PDF, es enthält Informationen zu den jeweiligen Gegenständen aber auch zu ihrem Familienstammbaum unter Geschichte ihrer Vorfahren.

00:19:01: Häufig haben Erbinnen auf diesem Weg sogar auch ganz neue Verwandte kennengelernt!

00:19:06: Es ist einfach eine Anregung und ein Aufhänger, sich mit der eigenen Familiengeschichte zu befassen.

00:19:12: Und wir waren manchmal die Spezialisten in ihrer Familien-Genealogie... ...und sie waren ganz beeindruckt eben Leute kennenzulernen von denen Sie gar nichts wussten also Cousins, Kursinen in Amerika oder Israel oder Australien.

00:19:30: setzt schon was in Gang und da ist das Objekt am Ende wirklich nur noch der Auslöser oder ganz nebensächlich.

00:19:39: Auch Noah bekommt so endlich die Möglichkeit, noch mehr über ihre Familie zu lernen.

00:19:47: Ich habe quasi mein ganzes Leben lang darauf gewartet dass sich jemand aus München oder aus den USA bei mir meldet weil wir von Verwandten wussten die noch in Deutschland, Lateinamerika oder Nordamerika leben.

00:20:00: In einem Video-Call lernt dann auch sie viele ihrer Verwandten zum ersten Mal kennen.

00:20:06: Man hat bei diesem Treffen wirklich gemerkt, dass es für jeden von uns sehr emotional war.

00:20:13: Was aus dieser Familienzusammenführung wird, hören wir in der nächsten Folge!

00:20:18: Für Robert Meyer führt die Nachricht von Rebecca Friedman zwar nicht zur Entdeckung neuer Verwandtschaftsbeziehungen aber er erinnert sich noch sehr gut an das Frühjahr

00:20:28: im Jahr zwanzig.

00:20:31: Ich habe zwei Töchter und eine von ihnen lebt in Manhattan, New York.

00:20:37: Eines Tages rief sie mich an oder schrieb mir eine E-Mail, dass sie gerade diese sehr ungewöhnliche Nachricht erhalten haben.

00:20:45: Sie solle eine Anwältin in New York anrufen.

00:20:49: Das hat er sie dann auch getan und hatte ihr gesagt, das euer Museum nach mir suchen

00:20:54: würde.".

00:20:57: Genau wie Noah bekommt auch Robert ein Dossier von Regina.

00:21:00: Zu den zwölf Silberlöffeln, die eins seinen Eltern gehörten.

00:21:07: Und das war das erste Mal, dass ich von den Silberläffeln hörte.

00:21:11: Meine Eltern hatten nie mit mir darüber gesprochen aber es ergab vollkommen Sinn

00:21:16: und

00:21:17: der Zeitpunkt passte.

00:21:19: Ich habe die Ausreise visa meine Eltern und wusste genau wann sie München verlassen hatten Und der Zeitpunkt hat einfach perfekt gepasst.

00:21:28: Kurz nachdem die Meyers gezwungen waren, ihr Silber im Münchner Leihamt abzugeben, gelangen ihnen die Immigration in die USA.

00:21:36: Dass sich dieses Silber nun mehr als achtzig Jahre später auf den gleichen Weg machen würde, berührte Robert Sehr.

00:21:48: Das war sehr bewegend!

00:21:50: Es war auch bewegend, dass es Menschen in München so wichtig war auf uns zuzugehen und es nicht nur zurückzugeben sondern uns die Tür zu öffnen.

00:22:00: Und uns das Gefühl zu geben bekommen zu sein.

00:22:04: Taten sagen mehr als Worte.

00:22:06: Und es zurückzugegeben, es zu überbringen und sich darum zu kümmern war wichtig.

00:22:13: Ich glaube meine Eltern wären sehr beeindruckt gewesen.

00:22:19: Reaktionen wie diese sind es, die die Arbeit von Rebecca, Regina und Marius so besonders machen.

00:22:27: Ja das ist total schön!

00:22:29: Das ist ein bisschen komisch also beim Anfang.

00:22:32: Beim allerersten Fall war's totales Gänsehautgefühl schon allein wenn man nur die Person auf dem Papier ausfindig gemacht hat.

00:22:40: Es hat sich dann irgendwann normalisiert wenn man dann die vierzigste Person oder so findet.

00:22:45: aber das ist echt wirklich total schön weil man dann auch so einen spürbaren Lohn für seine Arbeit hat.

00:22:53: Tatsächlich waren die meisten Erbinnen, die im Silberprojekt identifiziert wurden, positiv überrascht.

00:22:59: Die Leute sind sehr wohlwollend dankbar gerührt an uns herangetreten oder haben auf uns reagiert.

00:23:09: Es gibt aber auch ganz andere Reaktionen weiß Rebecca Freedman und auch diese sind verständlich.

00:23:15: Other times!

00:23:17: Manchmal stießen die Emails jedoch auf Skepsis und Misstrauen.

00:23:20: Was verständlich ist, wenn man bedenkt wie viele Betrugsversuche uns Gams es heutzutage gibt.

00:23:26: eine unerwartete E-Mail von einer fremden über einen Unbekannten Gegenstand zu erhalten der vielleicht einem unbekannte oder entfernten Verwandten gehörte kann durchaus beunruhigend sein

00:23:39: Und dann kann eine solche Mail natürlich auch noch viel intensivere Gefühle auslösen.

00:23:44: Eine solche Anfrage könnte angesichts des Themas etwas triggering sein, insbesondere wenn jemand einen Angehörigen im Krieg verloren hat.

00:23:52: Auch das ist dem Silberprojekt einmal passiert?

00:23:55: Es gab glaube ich eine Person die nichts damit zu tun haben wollte.

00:24:00: Das muss man respektieren.

00:24:02: Das hatte ich in anderen Projekten drastischer, die wirklich gesagt haben nein mit dieser Zeit, mit den Erinnerungen und Gedanken der Geschichte möchte ich überhaupt gar nichts mehr zu tun.

00:24:13: Robert und Noah wollten aber etwas mit dieser Geschichte zu tun haben.

00:24:17: Und nicht nur das, sie wollten richtig tief eintauchen!

00:24:22: Aber Sie stehen noch beide vor der Frage – was soll jetzt mit den Silberobjekten passieren, die so viel historische und emotionale Bedeutung haben?

00:24:31: Naja,

00:24:31: so richtig entschieden habe ich mich noch nicht...

00:24:34: Die zwölf Silberlöffel sind aktuell in Boston bei Robert Meyer Zuhause.

00:24:39: Aber werden sie da bleiben...?

00:24:41: Und was passiert mit dem Schlüsselhaken der Familie Brandeis, der München bis heute nicht verlassen hat?

00:24:48: Darum geht's in der nächsten Folge.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.