The Restitution Files (3/6): Die Menschen hinter den Nummern

Shownotes

Im Herbst 2022 gelingt Provenienzforscherin Dr. Regina Prinz und ihrem Team der Durchbruch: Mithilfe bislang unbeachteter Listen kann sie erstmals die Silberobjekte aus der NS-Zwangsabgabe konkreten Personen zuordnen. Hinter Inventarnummern kommen Namen zum Vorschein – etwa der Arzt Dr. Eugen Mayer oder der Kaufmann Hugo Brandeis. Ihre Lebenswege weisen viele Parallelen auf, sie sind von Verfolgung, Enteignung und Emigration geprägt. Doch mit ihrer Identifizierung beginnt erst die eigentliche Herausforderung.

In der dritten Folge von "Zeitschleifen. The Restitution Files" sucht das Team gemeinsam mit einer neu gewonnenen, hartnäckigen Partnerin auf der ganzen Welt nach den Nachfahr*innen der Familien. Die Recherche führt durch Archive, Datenbanken und über Kontinente hinweg. Dabei wird deutlich, wie komplex diese Aufgabe wirklich ist. Führt die langwierige Suche schließlich auch zum Erfolg?

Inhalt:

[00:00:00] Einleitung

[00:04:19] Teil 1: Die Familien Mayer & Brandeis

[00:12:14] Teil 2: Erbensuche

[00:16:58] Teil 3: Hilfe aus New York

[00:22:06] Abspann und Ausblick

Abbildungen/Verweise:

Die Israelitische Privatklinik e.V. mit Schwesternheim, Hermann-Schmid-Straße 5-7, um 1920 (© Stadtarchiv München) DE-1992-FS-STB-0313

Album „Silber aus ehemals jüdischem Besitz" in der Sammlung Online des Münchner Stadtmuseums

Einer der 12 Silberlöffel mit der Inventarnummer 1009: Louis Wollenweber, 12 Kaffeelöffel, 1819 und 1824, Silber, Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst

Joseph Strasser, Schlüsselhaken, 1842, Silber, 13 cm, Münchner Stadtmuseum

Kontaktinformationen:

Die Redaktion ist zu erreichen unter presse.stadtmuseum@muenchen.de.

Weiterführende Ressourcen:

Weitere spannende Einblicke in das Thema Provenienzforschung am Münchner Stadtmuseum bekommt ihr auf der Website des Münchner Stadtmuseums unter:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz

Credits:

Recherche und Skript: Anna Scholz

Redaktion: Anna Scholz, Carolina Torres, Carol Pfeufer, Maria Tischner, Ulla Hoering, Lena Hensel

Produktion: Anna Scholz, Carolina Torres, Sarah-Laurien Weiher, Johannes Weber

Host: Anna Scholz

Audio-Produktion: mucks audio (Sarah-Laurien Weiher, Johannes Weber)

Musik: mucks audio (Johannes Weber)

Transkript anzeigen

00:00:00:

00:00:04: Und das war natürlich Wahnsinn, weil wir dann gesagt haben ja jetzt haben wir das System verstanden.

00:00:09: Jetzt können wir das zuordnen.

00:00:11: Regina Prinz und das Team vom Münchner Stadtmuseum haben jahrelang versucht die rechtmäßigen Eigentümerinnen von fast einhundertfünfzig Silberobjekten in ihrer Sammlung zu finden, die als Raubgut gelten.

00:00:23: Jetzt im Herbst-Zweißen-Zweiundzwanzig hat Regina endlich das finale Puzzlestück gefunden Listen, die ihre Sammlungsstücke mit den Ankaufsverzeichnissenummern also AV-Nummern verbinden.

00:00:35: Was genau es mit diesen Nummern auf sich hat haben wir in Folge zwei erklärt – die solltet ihr also bestenfalls gehört haben bevor ihr hier weiter hört!

00:00:43: Die AV- Nummern waren auf jeden Fall der Missing Link zwischen den inventarisierten Objekten im Museum und dem Namen der Familien, die sie abgeben mussten.

00:00:52: gesehen haben.

00:00:56: Ja, das war großartig, weil wir dann einfach so erstens ... Wir hatten das System verstanden und dann kam wirklich noch dieser Punkt, wow jetzt finden wir das wirklich?

00:01:05: Und wir haben jetzt wirklich Namen die hinter diesen Objekten stehen!

00:01:09: Das war schon sensationell.

00:01:13: Die zwölf Silberlöffel zum Beispiel, die hatten die AV-Nummer Dreizehn Elf.

00:01:18: Und die findet Regina schließlich in Unterlagen zu Wiedergutmachungsfällen, die eben auch die Ankaufsverzeichniskarte enthalten Denn offenbar hatte die Familie mit der AV Nr.

00:01:28: XIII-XI schon kurz nach dem Krieg wieder Gutmachung beantragt.

00:01:32: Diese Ankaufsverzeichniskarte ist eine Karteikarte, die mit Schreibmaschine beschrieben ist und eine Liste der Wertgegenstände enthält, die die Familie abgegeben hat.

00:01:41: In der oberen rechten Ecke steht die Nummer Dreizehn Elf Und in der linken oberer Ecke ein Name und eine Adresse.

00:01:50: Deswegen konnten wir dann wissen, aha!

00:01:52: Die Nummer AV-XIII-XI zum Beispiel ist Familie Dr.

00:01:59: Meier.

00:02:00: Dr.

00:02:01: Eugen Meier Ein Name endlich.

00:02:04: Wird's auch noch mal so ein bisschen wirklicher?

00:02:06: So ein bisschen

00:02:07: realer?

00:02:08: Auf jeden Fall war man plötzlich mit Personen zu tun.

00:02:12: Die AV-Nummer unseres Schlüsselhaken die Nummer XVI-XX findet sich leider nicht in Wiedergutmachungsakten.

00:02:20: Wurde er nicht vermisst oder waren nach dem Krieg vielleicht keine Überlebenden mehr da, um nach ihm zu suchen?

00:02:28: Regina aber findet die Nummer schließlich doch – in einer Ankaufsliste des städtischen Leihamts und sie gehört zu Hugo Brandeis.

00:02:39: Ende der neunzehntreißiger Jahre wurden jüdischen Familien im Nationalsozialismus nicht nur ihre Berufe, ihre Wohnungen und ihre Existenzen genommen sondern sogar auch ihr Silber Ihr Schmuck, ihr Besteck, ihre Alltagsgegenstände – Ihre Würde.

00:02:54: Heute versucht Regina Prinz den betroffenen Familien ein Stück dieser Würde zurückzugeben.

00:03:00: Sie studiert die Inventarlisten des Münchner Stadtmuseums und erforscht die Herkunft der Sammlungsstücke.

00:03:07: Dieser Podcast ist also auch Teil einer Aufarbeitung.

00:03:10: Das Museum stellt sich seiner Vergangenheit und seiner Schuld.

00:03:13: Kein Sammlungsstück soll mehr unrechtmäßig hier sein.

00:03:21: Aber wie bringt man diese Objekte zurück?

00:03:23: zu den Familien, denen sie genommen wurden?

00:03:26: Zu den Söhnen und Enkelen derer die vertrieben, deportiert und ermordet wurden.

00:03:31: Die bis heute offene Fragen und Wunden haben und verstreut auf der ganzen Welt leben!

00:03:38: Ich bin Anna Scholz, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin – und das ist Zeitschleifen The Restitution Files ein Podcast des Münchner Stadtmuseums.

00:03:47: Hier nehmen wir euch mit auf eine Reise Von den neunzehntreißiger Jahren bis ins Heute, von München über die USA und Brasilien bis nach Israel.

00:03:56: Auf der Suche nach den Erbinnen des Silbers – und nach später Gerechtigkeit.

00:04:23: Regina hat aus den Akten und Nummern also endlich Namen zuordnen können!

00:04:27: Die Silberlöffel haben einem Mann namens Eugen Meier gehört Und der Schlüsselhaken wurde von Hugo Brandeis im Laiamt der Stadt München abgegeben.

00:04:36: Aber wer waren diese Männer und ihre Familien?

00:04:39: Wir suchen die Nummer six so, neunzig.

00:04:41: Ich glaube das ist vorne das Eckhaus.

00:04:45: Das ist auch ein ganz schönes altes Münchner Gebäude,

00:04:48: ne?

00:04:48: Ja!

00:04:49: Auch so ganz hohe Etagen wahrscheinlich so Jahrhundertwände verbaut...

00:04:54: Meine Kollegin Karolina Torres hat sich im Herbst-Zw.

00:04:57: in München auf Spurensuche und gewissermaßen auch auf eine Zeitreise gemacht.

00:05:03: Unterstützt wurde sie dabei von Maya Yakubait, sie war damals noch wissenschaftliche Voluntärin am Münchner Stadtmuseum.

00:05:09: Und kaum jemand kennt die Lebensläufe von Eugen Mayer und Hugo Brandt als heute besser als Maya denn sie hat viele Stunden mit Archivdokumenten verbracht um die Biografien der Familien nachzuvollziehen.

00:05:20: Hugo Brandt, er war Kaufmann.

00:05:22: Er ist hier in München geboren, und hat dann seiner Ausbildung als Kaufmann die Handelsschule besucht.

00:05:31: Hier in der Kaulbachstraße hatte er einen Textilwaren- und Modeartikelvertrieb.

00:05:37: Und er hat an demselben Ort auch gewohnt zusammen mit seiner Frau Clara Alma.

00:05:42: Die Kaulbachstraße liegt in der Münchner Maxvorstadt und verläuft parallel zum Englischen Garten.

00:05:47: Hier stehen noch viele alte Gebäude.

00:05:49: Auch das alte Wohn- und Geschäftsgebäude der Familie Brandeis ist noch erhalten, es ist ein schöner Altbau mit blassgelber Fassade und schnörkeligem Erker.

00:05:58: Hugo Brandeiss wurde als Sechstes von sieben Kindern in eine traditionelle Kaufmannsfamilie geboren.

00:06:04: Mit seiner Ausbildung an der Handelsschule trat Hugo in die Fußstapfen seines Vaters Isidor, der auch Kaufmann war.

00:06:11: Nach seiner Ausbildung diente er allerdings zuerst als Soldat im Ersten Weltkrieg, von nineteenhundertvierzehn bis neunzehundertachzehn.

00:06:18: Das haben ja ganz viele Juden im ersten Weltkrig auch Kriegsdienst geleistet und das war auch mit einer von mehreren Gründen dass viele in den dreißiger Jahren sich eigentlich auch sehr in Sicherheit gewähnt haben.

00:06:30: Und doch wurden diesen ehemaligen jüdischen Soldaten Jahr für Jahr mehr Rechte und schließlich auch ihre Existenz genommen.

00:06:37: Er musste seinen Geschäft, und das war im Rahmen der sogenannten Entjudung des Wirtschaftslebens, aufzugeben mit einem Berufsverbot.

00:06:51: Und er musste dann selbstständig zum Gewerbeamt gehen und die amtliche Löschung seines Gewerbes anzeigen.

00:06:59: Das Geschäft von Hugo Brandeis wurde nicht arisiert wie es damals hieß also von nicht jüdischen deutschen Betreibern übernommen, sondern sein Lebenswerk wurde einfach aufgelöst.

00:07:11: Und ein knappes Jahr später im Herbst neunzehntneununddreißig musste Brandeistern auch noch seine Wertgegenstände im städtischen Leihamt abgeben.

00:07:19: Darunter?

00:07:20: Ein silberner Schlüsselhaken – fünfundfünfzig Gramm leicht!

00:07:24: Für ihn und seine Frau war das vermutlich spätestens der Punkt an dem sie wussten Wir müssen hier raus.

00:07:32: Im März

00:07:35: Hugo und Clara Brandeis schaffen die Auswanderung nach New York, wo bereits zwei Schwestern von Hugo lebten.

00:07:41: Eine weitere seiner Schwesten flüchtete nach Brasilien, sein älterer Bruder nach Kalifornien.

00:07:47: Und nur einer der sieben Geschwister, der jüngste Bruder Simon hat nicht überlebt.

00:07:53: Der hat das nur bis Frankreich geschafft und wurde da in einem Konvoi nach Auschwitz gebracht und dort ermordet.

00:08:00: Und obwohl sich Hugo und Clara zunächst retten konnten, sterben beide noch vor Kriegsende.

00:08:06: Was dann aber tragisch ist, dass die beiden dann noch zu Kriegszeiten weiter sehr jung in New York

00:08:12: versterben.

00:08:12: Also Clara Alma stirbt aus der dreiundvierzig im Alter von einundfünfzig Jahren und Hugo genau einen Jahr später im November vierundviertzig.

00:08:21: Woran die beiden gestorben sind wissen wir leider nicht.

00:08:24: Was wir aber wissen isst Dass sich die Lebenswege von Dr.

00:08:28: Eugen Meier und Hugo Brandteis an überraschend vielen Stellen ähneln, auch die Meiers emigrieren nach New York.

00:08:34: Kurz vor Familie Brandtei.

00:08:36: es erzählt Regina

00:08:37: Es war ja recht später Zeitpunkt im November neununddreißig noch aus Deutschland rauszukommen.

00:08:44: also das war schon prekär.

00:08:46: Auch Eugen Maier hat im ersten Weltkrieg für das Deutsche Kaiserreich gekämpft.

00:08:51: auch er hat eine angesehene Berufsausbildung

00:08:56: Hat hier München und dann in Freiburg studiert.

00:08:59: Und kam dann wieder nach München zurück, hat sich hier verheiratet... ...und hat als Arzt gearbeitet und war dann eben an dem Krankenhaus tätig.

00:09:10: Maya hatte im Jahr nineteen achtundzwanzig seine zweite Frau geheiratete die promovierte Kunsthistorikerin Gertroth Clara Hirsch.

00:09:17: Neunzehnzehntreißig kommt ihre gemeinsame Tochter Rosemarie zur Welt.

00:09:22: Während all dieser Zeit arbeitet Dr.

00:09:23: Eugen Meier am israelitischen Krankenhaus in München.

00:09:27: Das Krankenhaus war ein wichtiges medizinisches Zentrum für die jüdische Gemeinde, stand aber allen Konfessionen offen.

00:09:33: Ab neunzehnunddreißig dann wurde es essentiell für die Gesundheitsversorgung von Jüdinnen und Juden da diese in regulären, in Anführungsstrichen Kliniken nicht mehr behandelt werden durften.

00:09:45: Ja, dann wurde das Krankenhaus hier auch unter Druck gesetzt und sollte geschlossen werden.

00:09:50: Der Druck auf das Krankenhaus weitete sich auch auf seine Angestellten aus.

00:09:54: Bei Eugen Meier war es so, dass er dann ab thirty-eight seine Abrobation verloren hat also seine Zulassung als Arzt und war ihm nur noch erlaubt als sogenannte Krankenbehandler tätig zu sein.

00:10:06: Also er hatte keinen Status mehr als behandelnder Arzt.

00:10:11: Anfang Juni, twohundvierzig wurde das Krankenhaus schließlich geschlossen und alle noch dort arbeitenden Ärztinnen, Pflegekräfte und dort untergebrachten Patientinnen nach Theresien statt deportiert.

00:10:23: Eugen Meier und seine Familie hatten also großes Glück dass ihnen im Winter neunzehnunddreißig noch die Immigration gelungen war.

00:10:30: Doch ähnlich wie bei Familie Brandeis hält New York auch für die Meiers einen weiteren Schicksalsschlag bereit.

00:10:37: Ihre Tochter Rose Marie stippt kurz nach ihrer Ankunft in New York bei einem Verkehrsunfall.

00:10:49: Das sind nur zwei der Geschichten, hinter denen insgesamt einhundertvierzig silbe Objekten und an ihnen kann man sehen mit welchen tragischen Biografien Regina und ihr Team jeden Tag konfrontiert waren.

00:11:01: Was ich erinnere mich dann noch gut daran das war schon sehr hart auch weil man wirklich so viele schlimme Schicksale da gelesen hat.

00:11:11: also es war dann Auch in dieser Masse hier emigriert, hier Deportation nach Kaunas.

00:11:19: Da Theresienstadt, hier Tod in Auschwitz und das ist wirklich an ganz vielen Stellen in diesen Biografien vorgekommen.

00:11:30: Ich hab das dann immer wieder mal weggelegt weil das schon sehr ... ja war wirklich schlimm, das zu lesen und zu sehen was da eigentlich passiert ist.

00:11:46: Regina und ihr Team wissen nun also, wer damals die zwölf Kaffee-Löffel und den Schlüsselhaken abgeben mussten.

00:11:53: Aber wer erhält sie nun zurück?

00:11:55: Wer sind die

00:11:55: Erbinnen?!

00:11:57: Hugo und Clara Brandeis sind schon früh verstorben – auch Eugen und Gertrud Meyer dürften allein aufgrund ihres Alters heute nicht mehr am Leben sein!

00:12:06: Und während die Zuordnung von Objekten, Nummern und Namen bereits mühsame Kleinstarbeit war, geht es jetzt genauso kompliziert weiter….

00:12:15: Ich habe verschiedene große Lesezeichen-Listen in meinem Browser.

00:12:19: Ich hab einfach eine hundertsechzig ständig benutzte Datenbanken oder

00:12:24: Internetseiten.".

00:12:25: Wer die zweite Staffel Zeitschleifen gehört hat, der kennt Dr.

00:12:28: Marius Wittke bereits als Postkartenexperten.

00:12:32: Aber Marius hat nicht nur seine Passion für die Post zum Beruf gemacht.

00:12:36: Man wird selten als Genealoger angestellt aber man wird als Provenienzforscher angestellt und dann ist es natürlich hilfreich diesen auch im Köcher zu haben.

00:12:55: Tatsächlich über das Interesse an der eigenen Vergangenheit, also ich habe damit angefangen meine eigene Familie zu erforschen, eigene Dokumente aus unseren Familiendokumenten zu lesen und dann wollte ich wissen ja wie geht es denn weiter?

00:13:09: Ja aber da fehlt ja total viel.

00:13:10: was ist denn mit dem Zweig?

00:13:13: Dann landet man da drin.

00:13:15: Marius forscht aber nicht mehr nur privat nach Ahn, sondern unterstützt mit seiner Expertise auch Museen bei der Provenienzforschung.

00:13:22: Im Frühjahr, es beginnt er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Silberprojekt des Münchner Stadtmuseums zu arbeiten.

00:13:30: Er ist mit seinen Skills ein echter Glücksgriff für Regina.

00:13:33: Es gibt eben keine Ausbildung dafür.

00:13:35: Es gibt auch keine Internetseite, wo ich sagen kann, hier wird alles gebündelt.

00:13:40: Nein!

00:13:41: Man muss sich das selbst beibringen und recherchieren.

00:13:44: Man muss es einfach ansammeln und auf dem Laufenden

00:13:47: bleiben.".

00:13:47: Die Aufgabe von Marius ist es, die lebenden Erbinnen der jüdischen Familien zu identifizieren, die damals ihr Silber im Leihamt abgeben mussten.

00:13:57: Dafür wühlt er sich durch physische Archive, Kirchenbücher, Melderegister ... Und natürlich das Internet.

00:14:04: Er kontaktiert andere Genealogen und jüdische Gemeinden, sucht nach Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden – und natürlich nach Testamenten.

00:14:12: Am Ende seiner Recherchen soll jede Familie einen Stammbaum haben.

00:14:16: Am Anfang dieses Stammbaums soll die Person stehen der Regina, die AV-Nummer zuordnen konnte, das heißt der Inhaber des Silberobjekts.

00:14:24: Und am Ende des Stammbaumes soll mindestens eine noch lebende erbberechtigte Person stehen!

00:14:29: Wie kompliziert das werden kann, hat mir Marius an einem seiner herausforderndsten Fälle erklärt.

00:14:35: Das war wirklich ein langer Akt und ein langes Atem, den wir haben mussten.

00:14:38: Wir haben zwischendurch immer wieder schon gedacht, dass es nicht klappt!

00:14:43: Es beginnete im August-Selber-Projekt-Liste vor.

00:14:49: Alles was er weiß ist, dass die Familie ursprünglich aus Köln stammt.

00:14:54: Dann waren wir am Stadtarchiv Kölnen Dann waren wir am Standesamt Gersfeld.

00:14:59: Wir waren wieder im Stadtarchiv Köln, wir hatten das hessische Landesarchiv und das Münchner Stadtarchive.

00:15:06: Dann haben wir neue Spuren gehabt im Archiv in Kerpen, in Leverkusen – das historische Archiv von Kölnen nochmal!

00:15:13: Dann haben die erste leidliche Stammbäume entwerfen können und dann haben wir in Kerben neue Unterlagen erhalten.

00:15:22: Ihr könnt euch das so vorstellen?

00:15:24: Marius wendet sich an diese Archive und fragt, habt ihr in eurem Bestand Meldedaten zunahmen XY?

00:15:30: Und dann muss eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter vor Ort die Daten durch Forsten und den passenden Eintrag finden.

00:15:36: Aus den Meldeddaten ergeben sich dann im besten Fall noch weitere Informationen wie zum Beispiel Kinder-, Ehepartnerinnen- oder Umzüge.

00:15:44: Bis diese Information aber dann wieder bei Marius ankommt dauert es!

00:15:48: Wir sind jetzt schon im Oktober zwentzwanzig über einen Jahr später.

00:15:52: Dann kamen die Statte Dürren Dann kam das Stadtarchiv Kerpen nochmal mit ganz neuen Informationen und dann spielte sich es die ganze Zeit in diesem reinischen Raum ab, bevor wir an das Stadt-Archiv in St.

00:16:06: Augustin weitergeleitet wurden, wo wir bis vorher noch gar keine Information her

00:16:10: hatten.".

00:16:13: Das Stadtarchif St.-Augustin liefert dann endlich einen Namen eines noch lebenden Nachfahren – der wiederum connectet Marius dann mit weiteren Lebendenverwandten!

00:16:23: Also wenn selbst ein Fall, der sich größtenteils nur in Deutschland abspielt schon so kompliziert ist dann könnt ihr euch vorstellen wie komplex die internationalen Fälle sind.

00:16:33: In den Fällen wo wir diese Unterlagen dort nicht finden es ist deutlich schwerer oder wenn die Spuren in andere Länder führen wo die Recherche einfach schwieriger wird da muss man dann ja dann muss man Bescheid wissen das Know-how anwenden und vor allem ein großes Netzwerk besitzen.

00:16:50: Was für ein Glück also, dass Marius und Regina einen extrem wertvollen Kontakt in New York City haben.

00:17:01: When do you get to the point?

00:17:02: Wann bist du an dem Punkt, an dem du sagst Okay ich gebe auf!

00:17:05: Es gibt keine Spuren von noch lebenden Verwandten.

00:17:07: Never I never give up.

00:17:10: Das ist Rebecca Friedman.

00:17:12: Sie arbeitet für das Achtung Lang.

00:17:22: Das ist eine Behörde, die die Familien von Holocaust-Überlebenden dabei unterstützt, Raubkunst zurückzufordern.

00:17:29: Rebecca ist studierte Kunsthistorikerin, Juristin und in ihrer aktuellen Rolle irgendwie auch Detektivin.

00:17:37: Irgendwie mag ich die Beschreibung.

00:17:39: Kunst spür Nase oder Detektiven weil man muss viele Informationen zusammensetzen um das Rätsel zu lösen was mit diesen Menschen passiert ist und um Kunst zu finden.

00:17:51: Eigentlich arbeiten Rebecca und Regina von gegensätzlichen Enden mit Raubgut.

00:17:56: Regina hat die geraubten Objekte und sucht die Erbinnen, und Rebecca vertritt in der Regel die Erpinnen, die genau wissen welche Erbstücke sie suchen.

00:18:05: Bei so einem Fall haben sich Regina und Rebecca auch kennengelernt.

00:18:08: Wir hatten eine andere Ressitution.

00:18:11: Da ging es um eine spät mittelalterliche Apostelfigur Die an die Familie Rosenthal restituiert wurde und Rebecca war in diesem Fall unsere Mediatorin, weil die Familie sehr weit verstreut ist.

00:18:25: In England Amerika Australien.

00:18:28: Während dieses intensiven Restitutionsprozesses haben sich die beiden Frauen gut kennengelernt.

00:18:34: Und sie merken wir verstehen uns so gut dass sie heute quasi gegenseitig ihre Sätze vervollständigen können.

00:18:41: hier erzählen Sie Unabhängig voneinander, wie es zu der Zusammenarbeit im selber Projekt kam.

00:18:46: Und ich hatte ihr dann beiläufig ... Wie dieser Fall dann so dem Ende zugegangen hab ich gesagt Boah!

00:18:52: Ich habe jetzt neue Fälle auf den Tisch.

00:18:54: Ich suche jetzt forty-sechs Familien auf der ganzen Welt in Bezug auf die Silberzwangsabgabe und dann hat sie nur so ganz lapid dargesagt.

00:19:11: Foregina ist das der nächste Glücksfall Denn Rebecca hat noch mal ein ganz anderes Netzwerk, das sie anzapfen kann.

00:19:17: Sie kann zum Beispiel innerhalb der USA Melde- und Einwanderungsdaten einsehen.

00:19:22: Am Anfang dauern die Besprechungen zwischen Regina, Marius und Rebecca mehrere Stunden.

00:19:27: Die Liste der forty-seitig Namen im Silberprojekt wird Zeile für Zeile abgearbeitet Und jeder bekommt seine To-dos.

00:19:34: Rebecca geht bei ihrer Recherche ähnlich vor wie Marius Sie durch Forced Archive Zeitungen Datenbanken und Social Media.

00:19:41: Doch gerade bei den emigrierten Familien gibt es besondere Herausforderungen.

00:19:48: Namen verändern sich häufig, wenn Familien emigrien oder heiraten und wieder neu heiraten.

00:19:53: Und in manchen Fällen waren die Erben auch keine echten Personen, sondern Wohltätigkeitsorganisationen oder Institutionen, die heute vielleicht nicht mehr existieren oder in andere Firmen übergegangen sind.

00:20:07: Aber wie wir eben schon gehört haben – Aufgeben gibt's nicht!

00:20:11: Sie hat uns immer wieder motiviert, nicht aufzugeben.

00:20:14: Also wir hatten wirklich Fälle wo wir gesagt haben das macht keinen Sinn oder wir kommen nicht weiter und dann kam irgendwie wieder eine E-Mail von ihr.

00:20:23: Ah übrigens schaut mal hier ich habe da jemanden und das könnte doch der und er sein.

00:20:28: und dann ging es wieder weiter mit der Recherche.

00:20:31: also sie war unglaublich.

00:20:33: Neben ihrer Hartnäckigkeit war Rebecca für das Silberprojekt auch deswegen wichtig Weil sie die Familien in den USA als Mitarbeiterin des HCPO mit einer ganz anderen Autorität kontaktieren konnte, erzählt Marius.

00:20:46: Wenn ein Stadtmuseum aus Deutschland irgendwelche Leute anschreibt vermeintlich wie einen Scheich aus Dubai oder so diese E-Mails kennen wir ja alle und wir hatten dieses Problem dass tatsächlich Leute auf unsere E-mails deswegen nicht geantwortet haben.

00:21:01: Rebecca ist auch die Person die die Fälle der zwölf Kaffee Löffel unter Schlüsselhaken übernimmt.

00:21:07: Vor allem Familie Brandeis zu finden, wird zur Herausforderung.

00:21:11: Denn wir haben schon gehört, Hugo und Clara sind früh verstorben – und hatten keine Kinder!

00:21:16: Dafür hatte Hugo sechs Geschwister, also eine große Familie.

00:21:22: Bei der Brandeisfamilie erinnere ich mich nicht mehr an die erste Ernährung, die ich gemacht habe.

00:21:27: Aber ich glaube, ich habe mir jeden Zweig einzeln vorgenommen.

00:21:30: Vor allem der Zweig mit Hugues Schwester Carolina, die mit ihrer Tochter nach Brasilien ausgewandert war, war schwer nachzuzeichnen.

00:21:38: Bei ihr also der ganze Zweig der Familie, der nach Südamerika eminkriert ist?

00:21:43: Da war es sehr schwer, die entsprechenden Dokumente aufzuspüren.

00:21:46: Also das war schon eine härteren Nuss, die wir zu knacken hatten wie Regina sagen würde.

00:21:51: So richtig ins Detail gehen – also welche Dokumnte sie wo gefunden hat – das will weder Rebecca noch ihre Pressesprecherin, die mitten im Interview sitzt.

00:22:06: Ich

00:22:14: warte quasi schon mein ganzes Leben darauf, dass sich jemand bei

00:22:18: mir meldet.

00:22:19: Wer da auf eine überraschende Nachricht von einem deutschen Museum gewartet hat, das hört ihr in der nächsten Folge.

00:22:25: Rebecca und Regina bringen außerdem die zwölf Silberlöffel nach Hause – ein ganz besonderer Fall für die beiden!

00:22:31: Denn sie finden tatsächlich noch einen Erben der zweiten Generation.

00:22:37: Ich bin in New York-City geboren und meine Eltern kamen in die USA, nachdem sie in München gelebt

00:22:46: haben.

00:22:50: Zeitschleifen The Restitution Files ist ein Podcast des Münchner Stadtmuseums.

00:22:55: Audioproduktion Mux Audio Redaktion Carolina Torres und das Team Kommunikation des Münchener Stadtmuseums.

00:23:02: Autoren dieser Folge bin ich Anna Scholz.

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